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Elektromobilität: MAN drängt auf schnelleren Ladeinfrastrukturausbau

Beim Besuch von EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas in München zeigt MAN Truck & Bus seine Innovationen für den Straßengüterverkehr. CEO Alexander Vlaskamp fordert klare politische Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Zukunft.

EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas (r) im Gespräch mit MAN Technikvorstand Dr. Frederik Zohm (l). (Foto: C. Harttmann)
EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas (r) im Gespräch mit MAN Technikvorstand Dr. Frederik Zohm (l). (Foto: C. Harttmann)

Es war der allererste Besuch des neuen EU-Kommissars für Nachhaltigen Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, in Deutschland – und der führte direkt ihn nach München an die Teststrecke von MAN Truck & Bus.

„Schritt in die richtige Richtung“

Im Gespräch mit MAN-CEO Alexander Vlaskamp und Technikvorstand Dr. Frederik Zohm standen zentrale Zukunftsthemen der Transportbranche im Fokus: Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Dabei ging es auch um den Aktionsplan der EU, der europäische Fahrzeughersteller wettbewerbsfähig halten soll. Vlaskamp lobte den Plan als „Schritt in die richtige Richtung“, forderte aber einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und ein Umdenken bei der CO2-Regulierung.

Dringender Ausbau der Ladeinfrastruktur erforderlich

Die EU verfolgt das Ziel, die CO2-Emissionen des Straßengüterverkehrs deutlich zu reduzieren. Ein zentraler Punkt des von Tzitzikostas präsentierten Aktionsplans ist daher der schnellere Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge.

Bis 2030 werden nach Einschätzung von MAN europaweit rund 50.000 Ladepunkte benötigt, davon 30.000 mit Megawatt-Leistung. Zudem seien weitere 300.000 Ladepunkte in Betriebshöfen erforderlich. Derzeit gibt es in Europa jedoch nur 1.200 Ladepunkte für Nutzfahrzeuge.

„Bis 2030 benötigen wir europaweit rund 50.000 Ladepunkte, darunter 30.000 mit einer Ladeleistung im Megawatt-Bereich. Hinzu müssen weitere 300.000 Ladepunkte in Depots kommen“, erklärte Vlaskamp.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur sei ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Elektromobilität im Nutzfahrzeugsektor.

MAN treibt Elektromobilität voran

Als Hersteller sieht sich MAN gut aufgestellt. Bereits seit 2024 bietet das Unternehmen ein komplettes Portfolio an Elektro-Lkw mit einem Gesamtgewicht zwischen 12 und 42 Tonnen an. Diese Fahrzeuge erreichen Tagesreichweiten von bis zu 800 Kilometern.

Die erste Flotte von rund 120 schweren Elektro-Lastern hat im Kundeneinsatz bereits 500.000 Kilometer zurückgelegt und dabei rund 400 Tonnen CO2 eingespart. Auch im Bussegment ist MAN aktiv: Mehr als 2.000 vollelektrische Stadtbusse sind bereits in europäischen Metropolen unterwegs. Zudem soll noch in diesem Jahr der erste vollelektrische Reisebus des Herstellers auf den Markt kommen.

Kritik an aktueller CO2-Regulierung

Trotz der Fortschritte bei der Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs kritisierte Vlaskamp die aktuelle CO2-Regulierung als problematisch.

„Sie setzt extrem anspruchsvolle Ziele und droht den Fahrzeugherstellern beim Nichterreichen mit unverhältnismäßigen Strafen – die 25 Mal so hoch sind wie im Pkw-Bereich“, erklärte er.

Diese Strafen könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährden und Investitionen in innovative Technologien bremsen. MAN bekenne sich zu den Klimazielen, benötige jedoch eine realistischere Neubewertung der CO2-Regulierung.

Erfahrungen auf der Teststrecke

Nach einer Fahrt als Beifahrer in einem autonomen Lkw und zwei Runden am Steuer in einer elektrischen Zugmaschine auf der Teststrecke zeigte sich EU-Kommissar Tzitzikostas beeindruckt.

„Ich bin begeistert, heute hier zu sein und Innovation auf höchstem Niveau zu erleben. Mein Besuch sendet eine klare Botschaft: Die Europäische Union steht stärker denn je hinter ihrer Industrie. Es ist inspirierend, die Zukunft des Transports zu sehen – etwa einen elektrisch betriebenen Lkw beim Laden.“

Er betonte, dass Europa weiterhin in nachhaltige Mobilität, Digitalisierung und faire Wettbewerbsbedingungen investieren müsse, um Innovation und Wachstum zu sichern. Die Automobilbranche stehe vor großen Herausforderungen wie hohen Energiekosten, Risiken in den Lieferketten und Fachkräftemangel. Der EU-Aktionsplan solle diese Herausforderungen adressieren und die Branche unterstützen.

MAN-CEO Vlaskamp unterstrich die Bedeutung europäischer Initiativen zur Förderung der Branche:

„Wir zeigen heute nicht nur unsere eigenen Innovationen, sondern auch, was die europäische Nutzfahrzeugbranche vorantreibt. Unsere Branche ist bereit für nachhaltigen Transport – mit batterieelektrischen Lkw und Wasserstoff-Lkw, die bereits Teil unseres Portfolios sind. Jetzt ist es an der Zeit, mit voller Kraft die Ladeinfrastruktur in Europa auszubauen, damit wir die Fahrzeuge auch effizient im Betrieb laden können. Hier sehen wir aktuell ein enormes Nadelöhr für die Marktdurchdringung nachhaltiger Transportlösungen.“

Zudem sprach er sich für klare und einheitliche europäische Regelungen zum autonomen Fahren aus, um den Fahrermangel abzufedern und den Transport effizienter zu gestalten.

Engagement für Netzausbau und autonomes Fahren

Parallel zur politischen Diskussion engagiert sich MAN aktiv für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Gemeinsam mit der Volvo Group und Daimler Truck beteiligt sich das Unternehmen am Joint Venture Milence, das bis 2027 mindestens 1.700 Hochleistungs- und Megawatt-Ladepunkte errichten will. In Zusammenarbeit mit dem Energieversorger E.ON plant MAN zudem ein Netz mit 170 Standorten und 400 Ladepunkten für das öffentliche Laden in Europa.

Auch in der Automatisierung des Straßengüterverkehrs sieht MAN Potenzial. Besonders der Hub-to-Hub-Verkehr zwischen Logistikhubs biete sich für autonom fahrende Lkw an, findet man min München. Als einer der ersten europäischen Nutzfahrzeughersteller hat MAN bereits eine Erprobungsgenehmigung für hochautomatisierte Fahrten auf deutschen Autobahnen erhalten. Zudem testet das Unternehmen im Rahmen des Forschungsprojekts MINGA den Einsatz autonomer Busse im öffentlichen Nahverkehr.

Fazit

Mit seinem Besuch bei MAN Truck & Bus verdeutlicht der EU-Kommissar Tzitzikostas wie wichtig die Elektrifizierung für die Zukunft des Straßengüterverkehrs ist. MAN wiederum sieht sich gut gerüstet, um diesen Wandel aktiv mitzugestalten, fordert jedoch von der Politik bessere Rahmenbedingungen, insbesondere beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und der CO2-Regulierung.