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Ebusco vor dem Aus?

Der Umsatz brach 2024 völlig ein, das Minus lag bei 200 Mio. Euro. Gleichzeitig wurden nur noch 157 Busse ausgeliefert.

Es wird bis zum Sommer finanziell extrem eng für den niederländischen E-Bus-Hersteller Ebusco (im Bild die Unternehmenszentrale in Deurne). Sollten sich bis dahin keine Lösungen ergeben, steht das Unternehmen vor dem Aus. (Foto: Ebusco)
Es wird bis zum Sommer finanziell extrem eng für den niederländischen E-Bus-Hersteller Ebusco (im Bild die Unternehmenszentrale in Deurne). Sollten sich bis dahin keine Lösungen ergeben, steht das Unternehmen vor dem Aus. (Foto: Ebusco)

Der niederländische E-Bus-Hersteller Ebusco hat Besorgnis erregende Zahlen veröffentlicht: Aufgrund von Umsatzrückbuchungen auf das Jahr 2023 lag der Erlös 2024 bei nur noch 10,7 Mio. Euro – nach 102,4 Mio. Euro im bereits schwachen Vorjahr. Dagegen stieg der Jahresfehlbetrag von 120,1 auf 200,8 Mio. Euro, das EBITDA von –95,7 auf –132,6 Mio. Euro. Mit 2,4 Mio. Euro sind liquide Mittel praktisch nicht mehr vorhanden. Darüber hinaus musste das Unternehmen einige größere Rückschläge wie einen Produktionsstopp und die Stornierung von Busaufträgen verkraften. Aufgrund der finanziellen Lage kam die Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2024 fast zum Erliegen, was zu verspäteten Auslieferungen und der Stornierung von 361 Bussen im Jahr 2024 und 55 Einheiten im Jahr 2025 führte. Das konnten auch die Neuzuweisung einiger Fahrzeuge an andere Kunden nicht auffangen: 21 Einheiten gingen an die NIAG, 22 Busse an die Stadt Rouen und 31 an EBS. Dementsprechend wurden mit 157 Einheiten nur sehr wenige E-Busse im vergangenen Jahr ausgeliefert.

Die ersten umgewidmeten Busse für Rouen und die NIAG wurden bereits an die Kunden übergeben, die Auslieferung an EBS wird in den nächsten Wochen beginnen. Ebusco geht davon aus, dass die verbleibenden 19 stornierten Einheiten, die sich in einem fortgeschrittenen Produktionsstadium befinden, in der zweiten Jahreshälfte 2025 an bestehende Kunden weitervergeben werden.

Auftragsbestand von 581 E-Bussen

Der Auftragsbestand liegt bei 581 E-Bussen zum Jahresende 2024, was die Produktionsauslastung bis zum ersten Halbjahr 2026 absichern würde. Allerdings sind davon nur 336 fest bestellt – 79 vom Typ 2.2 und 336 vom Typ 3.0 mit Batterieplatzierung im Fahrzeugboden und Leichtbauweise. 168 Ebusco 2.2 stehen auf Abruf in den Büchern, 77 Ebusco 3.0 sind Option. 2024 wurden Abschlüsse über lediglich 48 weitere E-Busse getätigt.

Christian Schreyer, CEO von Ebusco: „2024 war ein extrem herausforderndes Jahr für Ebusco, und 2025 wird weiterhin eine große Herausforderung darstellen. Obwohl wir bereits wichtige Schritte unternommen haben, sind wir uns bewusst, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben und die Liquiditätssituation eine große Herausforderung darstellt. Es ist daher keine Überraschung, dass meine ersten Monate als CEO von Ebusco sehr intensiv waren. Ich bin zu einem kritischen Zeitpunkt zu Ebusco gekommen, inmitten eines massiven und dringenden Turnarounds in operativer und finanzieller Hinsicht.“

Niederländische Werke werden zusammengelegt

Man wolle daher von einem OEM- zu einem OED-Modell umstellen, d.h. Produktionsprozesse wie vor allem die Busmontage werden ausschließlich von externen Auftragsfertigern übernommen. Was das für den bisherigen Produktionsstandort im niederländischen Deurne, gleichzeitig Hauptquartier des Unternehmens, bedeutet, ließ Schreyer offen. Er deutete jedoch an, die beiden Werke in den Niederlanden zu einem einzigen zusammenzulegen, um so die Kosten zu senken und eine schlankere Organisation zu schaffen. Es wurde demnach beschlossen, das Werk in Venray nach Deurne zu verlegen.

Weiterhin kündigte Schreyer die Vereinfachung des Ebusco-Portfolios auf Standardbusgrößen und die Konzentration auf europäische Märkte an. Mit Partner und Anteilseigner Gotion, einem chinesischen Batterieproduzenten, wolle man zudem den maritimen Nischenmarkt stärker bedienen.

Insolvenzgefahr?

In Anbetracht der Tatsache, dass die überfälligen Verbindlichkeiten die derzeitige Liquiditätsposition des Unternehmens deutlich übersteigen, besteht die Möglichkeit, dass die Lieferanten jederzeit Konkurs anmelden könnten, was auch bei Ebusco ein Insolvenzereignis auslösen könnte. Einer der Lieferanten hat bereits einen Konkursantrag gestellt, u.a. wegen Nichtbezahlung überfälliger Rechnungen. Die Gerichtsverhandlung ist für den 6. Mai 2025 angesetzt.

Ebusco ist daher auf eine erhebliche kurzfristige Liquiditätszufuhr angewiesen, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Sollte es nicht in der Lage sein, die erforderlichen Gelder rechtzeitig zu erhalten, könnte das Unternehmen unmittelbar vor der Insolvenz stehen, teilte es in einer Pressemitteilung mit.

Finanzierungsengpässe bleiben bestehen

Am 24. Februar 2025 gab Ebusco bekannt, dass es Zusagen für eine Fremdfinanzierung in Höhe von 22 Mio. Euro erhalten hat: 10 Mio. Euro von Green Innovation International Co. Ltd. (von denen noch 5 Mio. Euro offen sind), weitere 10. Mio Euro von CVI Investments Inc., einer von Heights Capital Management, Inc. verwalteten Gesellschaft, sowie 2 Mio. Euro von De Engh B.V. Diese Darlehen – zzgl. Zinsen in Höhe von 200.000 Euro – müssen von Ebusco bis zum 15. August 2025 vollständig zurückgezahlt werden.

Gerade die noch offene Investitionssumme über 5 Mio. Euro von Green Innovation stellt ein Problem da, denn aufgrund einer Vereinbarung mit seinen Banken werden damit mögliche weitere Kredite gestoppt. Daher sucht das Unternehmen andere Betriebskapitalgeber, hat allerdings nach eigenen Angaben solche bislang nicht gefunden.

In diesem Zusammenhang hat Ebsuco mit den Vorbereitungen für die rechtliche Trennung seines Bus- und Energiegeschäfts begonnen und will in nächster Zeit strategische Optionen für beide Geschäftsbereiche sowie für die Mitte August fällige Refinanzierung prüfen.