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Citroën C5 Aircross: Der neue große Citroën

Citroën bringt zur Feier des 100-jährigen Jubiläums der Werbung am Eiffelturm den neuen C5 Aircross SUV an den Start – das künftige Topmodell made in France. Denn der C5X made in China wird zum Ende seines Produktlebenszyklus ohne Nachfolger auslaufen. 

Mit 4,65 Metern streckt sich der C5 Aircross auf einstiges CX-Maß, auf dessen Rücksitzen der Autor einen Teil seines Lebens verbrachte. | Foto: Citroën
Mit 4,65 Metern streckt sich der C5 Aircross auf einstiges CX-Maß, auf dessen Rücksitzen der Autor einen Teil seines Lebens verbrachte. | Foto: Citroën

Der neue C5 Aircross legt nicht nur in den Maßen, sondern auch technisch deutlich zu. Nach Jahren der Vorankündigungen und Wartezeit durften wir im Palais de Tokyo in Paris endlich selbst Platz nehmen – im neuen „großen Citroën“. Der steht auf der STLA Medium-Plattform, die Stellantis für mittelgroße Fahrzeuge nutzt und sowohl Verbrenner als auch Elektroantriebe unterstützt. Das zahlt sich aus, denn beim neuen Modell hat man freie Wahl: Als Hybrid mit 145 PS (kombiniert 1,2-Liter-Dreizylinder und 48V-System, bis zu 900 km Reichweite), als Plug-in-Hybrid mit 195 PS (1,6-Liter-Vierzylinder und 21-kWh-Akku, rund 86 km rein elektrisch) oder ganz elektrisch – hier entweder mit 210 PS und 73-kWh-Akku für 520 km Reichweite oder als Langstrecken-Variante mit 230 PS, 97-kWh-Akku und bis zu 680 km Reichweite nach WLTP. Das ist stark, auch wenn die Ladeleistung mit rund 30 Minuten (20–80 %) im Klassenstandard bleibt. Immerhin: Eine Wärmepumpe ist Serie, V2L und ein 22-kW-Bidirektionallader kommen ab 2026.

Mit 4,65 Metern ist der C5 Aircross jetzt ziemlich genauso lang wie der Ur-CX

Der neue C5 Aircross misst jetzt 4,652 Meter in der Länge, hat um 15 Zentimeter zugelegt und rückt damit ins obere Mittelklasse-SUV-Segment vor. Die Breite liegt bei 1,902 Metern (plus fünf Zentimeter), die Höhe bei 1,666 Metern. Wichtiger: Auch der Radstand wuchs um sechs auf 2,784 Meter, was sich vor allem im Fond bemerkbar macht: +51 mm Beinfreiheit machen es deutlich luftiger als im Vorgänger aber nicht komplett zur Luxuslounge. Das gilt eher für das plus an 68 mm Kopffreiheit. So dass man die Rückbank ein paar Millimeter höher hätte montieren können, um den Kniewinkel zu verbessern. Immerhin ist deren Rückenlehne 40:20:40 geteilt umlegbar (längs verschiebbar wäre NOCH cooler gewesen) und der Kofferraum bietet „nass“ ausgelitert unabhängig vom Antrieb bei 651 bis 1.922 Litern Volumen – ein echter Bestwert im Segment - sagt Citroën. Wir stellen fest: Ja, er ist riesig. Schade, dass bei den Stromern kein Platz für einen Frunk bleibt.

Außen: Ein kantiger Charakter

Von außen zeigt sich der neue C5 Aircross kantig modernisiert – im Stil der Studie Oli: Und er bietet einige Hingucker, bei denen die Mrke der Individualisten freier ist als andere: schwebende LED-Rückleuchten, geschlossener Grill bei den Elektros, Luftleitelemente und bis zu 20 Zoll große Räder – all das sorgt für einen gesenkten Luftwiderstand.

Drinnen wird’s wohnlich – Citroën nennt es „Zen Lounge“, wir sagen: fast wie ein Wohnzimmer auf Rädern. Die neue Generation setzt auf viel recyceltes Material, aber ohne komplett asketisch zu wirken. 160 Kilogramm Recyclingmetall, Stoff statt Leder, weiche Oberflächen und sogar Rebholz aus Burgund in Türen und Mittelkonsole – nachhaltig mit Stil. Der Geruch erinnert dabei dezent an die Herkunft des Materials – irgendwo müssen die 33.990 Euro Startpreis eben herkommen. Wer Premium erwartet, wird womöglich enttäuscht sein, aber der C5 bleibt sich treu: pragmatisch, komfortorientiert und angenehm unprätentiös.

 

Technisch legt Citroën ebenfalls nach. Der neue, vertikal ausgerichtete 13-Zoll-Touchscreen im „Waterfall“-Design ist nicht nur optisch ein Hingucker – er lässt sich auch intuitiv bedienen. Wir finden uns auf dem großen „Wasserfall“ jedenfalls sofort zurecht. Es gibt eine feste Menüleiste für schnelle Zugriffe, eine übersichtliche Klimasteuerung und praktische Sprachsteuerung – neuerdings mit ChatGPT-Integration. Auch Head-up-Display, digitales Kombiinstrument, kabelloses Laden (bis 15 W) und diverse USB-C- und 12V-Anschlüsse gehören zum Repertoire. Hinten gibt’s eine neigungsverstellbare Rückbank (40:20:40 teilbar), zwei USB-C-Anschlüsse, eine Mittelarmlehne mit Becherhaltern (diesmal richtig positioniert) und genug Platz für Erwachsene auf langen Strecken. Nur die Becherhalter vorne unter dem großen Screen sind etwas schlecht erreichbar – französischer Pragmatismus mit Designambitionen eben.

Was auch für die Materialien gilt: Die wirken in Opel oder Peugeot tatsächlich im Detail hochwertiger und, was uns auch auffiel: das Ganze wirkt nicht so aus dem Vollen gefräst wie bei den Koreanern gegen die der C5 Aircross auch antritt.

 

 

Alle Motoren treiben die Vorderräder an, Allrad wird es nicht geben. Für den markentypischen Fahrkomfort soll das „Advanced Comfort“-Fahrwerk sorgen, das extra für den C5 Aircross neu abgestimmt wurde: An der Vorderachse gibt es für die Stoßdämpfer zwei hydraulische Anschläge, je einen an Zug- und Druckstufe, hinten muss einer an der Druckstufe, also beim Einfedern, genügen. Damit sollte Schweben wie Gott in Frankreich möglich ein.

Motorisch bleibt man französisch-pragmatisch, egal ob man Verbrenner oder Stromer ordert

An denen orientiert man sich motorisch: Der Einstiegshybrid kombiniert einen eigens für diesen Zweck entwickelten 1,2-Liter-Dreizylinder mit kleinem E-Motor im Getriebe, was für niedrigere Verbräuche sorgt – laut Citroën bis zu 15 % sparsamer als vergleichbare Benziner. Der 1,2 Liter leistet 100 kW / 136 PS, die im Gehäuse des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes installierte Elektromotor bis zu 21 kW (28 PS) bei einer Dauerleistung von 9 kW (12 PS), was zu den 145 PS Systemleistung führt. Dank dem 0,9 kWh-Akku soll der Mildhybrid rein elektrisch rangieren und in der Stadt bis zu 50% gleiten können.

Der Plug-in Hybrid zieht seine Systemleistung von 143 kW / 195 PS aus einem 1,6 Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 110 kW / 150 PS in Verbindung mit einem maximal 92 kW (125 PS) starken Elektromotor. Die Kräfte portioniert hier ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Vorwärtsgängen. Der Akku hat hier 21 kWh Kapazität. Die elektrische Reichweite nach WLTP-Norm soll bei 85 Kilometern liegen, im reinen Stadtverkehr sollen daraus 100 Kilometer werden, real sind das eher 60 und in der Stadt 80 Kilometer... Im reinen e-Modus kann man bis zu 135 km/h schnell fahren. Lahm ist leider das laden: Serienmäßig bleibt es beim Einphasen-Lader mit 3,7 kW, was rund fünf Stunden Ladezeit bedeutet. Optional kann man zweiphasiges Laden mit bis zu 7,4 kW Wechselstrom ordern, dann lädt der Plug-in binnen zwei Stunden und 55 Minuten. CCS-Laden wäre mittlerweile wichtig gewesen…

Der Stromer kommt mit 73 kWh großem Akku und 157 kW (213 PS) für eine Reichweite von bis zu 520 Kilometern nach WLTO, von denen immer rund 300 Kilometer bleiben. Das „Lomg-Range“-Modell mit 97-kWh-Akku soll bis zu 680 Kilometer weit kommen und bietet 170 kW (231 PS) Motorleistung. Die maximale Ladeleistung beträgt bis zu 160 kW – die der C5 Aircross über einen längeren Zeitraum gehalten werden soll: Binnen 30 Minuten soll der 73-kWh-Akku von 20 auf 80 Prozent geladen werden können, beim 97-kWh-Batteriepaket soll der gleiche Hub aufgrund einer optimierten Ladekurve nur 27 Minuten dauern. Wechselstrom zieht er dreiphasig mit 11 kW, aber hier wird nachgelegt: Ab 2026 soll es optional die Möglichkeit für das Laden mit 22 kW geben, außerdem auch eine V2L-Funktion (Vehicle to Load). Die Rekuperation kann man in drei Stufen per Schaltwippen am Lenkrad steuern.

Der neue C5 Aircross ist auch intelligenter

Die Stromer unterstützt ein EV Trip Planner, eine e-Route-App samt automatischer Ladeplanung – alles dabei. In Zukunft soll sogar die Versorgung des Hauses oder die Einspeisung ins Stromnetz möglich sein. Wir haben mal Paris-Nürnberg planen lassen – die Route stand nach rund fünf Sekunden mit drei nicht zu langen Ladestopps: nach sieben Stunden 15 Miunten hätten wir ankommen sollen. Könnte klappen.

Die Fahrassistenz wurde ebenfalls aufgeschlaut und ermöglicht unter anderem einen assistierten Spurwechsel bei Geschwindigkeiten über 70 km/h.

Gebaut wird der neue C5 Aircross weiterhin im Werk Rennes in der Bretagne, wo laut Werksleiter Etienne Martin Commandeur der Wind rau weht – aber die Menschen genau deshalb zusammenhalten. Seit 2021 hat man dort den Energieverbrauch um 60 % reduziert, der Crossover wird also nicht nur effizient, sondern auch ressourcenschonend produziert. Elektromotor und Akku stammen ebenfalls aus Frankreich – Trémery bzw. Douvrin – der Aircross bleibt also durch und durch ein „Made in France“-Projekt.

Was bedeutet das?

In Summe ist der neue C5 Aircross ein Citroën, wie man ihn sich wünscht: viel Platz, viel Komfort, moderne Technik – aber ohne Premium-Preisschild. Er startet ab 33.990 Euro und wer ihn mit dem Peugeot 3008 (ab 40.080 €) oder Opel Grandland (ab 36.400 €) vergleicht, sieht: Auch der „Große Citroën“ bleibt preissympathisch.