Ciao Jeep Renegade – einen Nachfolger wird es nicht geben!
Man muss die Stellantis-Konzernentscheidungen nicht verstehen, aber sie tun es gerne immer wieder: Einst erfolgreiche Modelle werden bis Sankt Nimmerlein weitergebaut und dann ersatzlos eingestellt. Muss man nicht verstehen, ist aber so – nach dem Fiat Punto, dessen „Nachfolger im Geiste“ nach Jahren der Fiat 600 ist, der bei weitem nicht mehr an die Punto-Stückzahlen herankommt, stellt man jetzt den Jeep Renegade ersatzlos ein. Nach elf Jahren Bauzeit.
Das ist umso unverständlicher, als der Der Renegade vom Verkaufsstart weg ein Sales-Hit war und das (fast) weltweit! Egal ob in Europa, en USA und sogar in Mittel- und Südamerika – überall gehörte der Renegade mehr oder minder ins Straßenbild. Über zwei Millionen Einheiten konnte Jeep bisher weltweit absetzen, allein in Europa mehr als 500.000. Und in Italien wurde er, da er im süditalienischen Melfi montiert wird, quasi als „Einheimischer“ gesehen. Dort gehört er wie einst der Punto (für den das werk einst errichtet wurde) zum Straßenbild wie Panda und Co. Und es gibt fast keine Polizeistation, die ihn nicht als Einsatzwagen nutzt.
Melfi produziert künftig den Compass, den DS N°8 und den Lancia Gamma
Gut, Melfi braucht man jetzt unter anderem für den DS N°8 und bald den neuen Jeep Compass sowie den Lancia Gamma (so er denn noch kommt): Stellantis zieht dort (bis auf Opel und Peugeot) seine Premium-STLA-Medium-Modelle zusammen. Deshalb verschwand 2024 auch der Plattformbruder des Renegade, der Fiat 500 X aus den Bestelllisten. Auch er stand Fiat gut zu Gesicht, erhält aber auch keinen direkten Nachfolger.
Überall beleibt – auch in den USA
Gepunktet hat der Renegade mit sehr Jeep-typischem, eigenständigem Design, einer ziemlich genialen Größe von gut 4,2 Metern, die auch in den USA gerade noch „akzeptiert“ wird und vielen, teils regional zugeschnittenen Varianten: Es gab ihn mit und ohne Allrad, mit verschiedenen Benzin- und Dieselmotoren, in jüngerer Zeit auch als Hybrid und als Plug-in-Hybrid.
Sein größtes Problem: Der Renegade nutzt noch die einst von Fiat entwickelte „Small-Wide-Plattform“ und die wurde nicht mehr weiterentwickelt. Ein Markensprecher bestätigte gegenüber der Plattform Auto Motor und Sport, „die aktuelle Renegade-Modellreihe in Europa auslaufen zu lassen." Ein Nachfolgemodell ist nicht geplant. Der Grund sind einmal mehr auch hier die immer heftigeren weltweiten Regularien: Und um sich an die anzupassen, plus die neue Marktdynamik und geänderte Kundenpräferenzen bedienen zu können, hätte man den Renegade neu denken müssen.
Zwischen Avenger und dem größeren Compass klafft künftig eine Lücke
Ersatz für den Renegade soll zum Teil der rund 20 Zentimeter kürzere Jeep Avenger sein, der aktuell bei vergleichsweise günstigen 26.300 Euro startet. Und dann: wird da eine Lücke klaffen, denn der neue Jeep Compass misst 4,55 Meter und startet ab 42.400 Euro als "First Edition". Fakt ist: Der Avenger ist vielen (Familien) eine Idee zu klein, der Compass schon wieder zu groß. Aber Jeep wird Europa künftig nur mit vier Modellen bestücken: Avenger, Compass, Recon (als elektrischer Wrangler-Ersatz) und Wagoneer S in der Oberklasse. Es könnte allenfalls sein, dass Jeep den Cherokee neu auflegt, der auch fpür die USA als neues Einstiegsmodell dienen könnte – und dann in den maßen des Urmodells die Renegade-Lücke wieder schließt.
Das Angebot des Renegade schmilzt schon: Die einzige verbliebene Variante im Konfigurator ist der frontgetriebene Renegade E-Hybrid mit 130 PS ab 31.100 Euro. Die Produktion soll zum Jahresende 2025 endgültig eingestellt werden, Lagerfahrzeuge sollen bis Anfang 2026 verfügbar sein.
Was bedeutet das?
Ja, die Zeiten ändern sich und der Renegade ist mittlerweile echt Alteisen. Aber ein erfolgreiches, sympathisches, das man weltweit sieht. Warum ihn jetzt ohne Nachfolger einstellt, bleibt rätselhaft.