BYD treibt EU-Offensive mit Kombi, Kooperationen und Produktion in Ungarn voran
Im September 2025 bringt das Unternehmen mit dem Seal 06 Kombi erstmals ein teilelektrisches Modell im wichtigen D-Segment nach Deutschland. Anders als viele bisherige BYD-Fahrzeuge ist der neue Kombi kein Vollstromer, sondern ein Plug-in-Hybrid mit dem hauseigenen DM-i Electric Hybrid System. Die Premiere unterstreicht BYDs Strategie, in Europa verstärkt auf teilelektrische Antriebe zu setzen, da die Nachfrage nach reinen E-Autos unter den Erwartungen bleibt.
Kombis? Trauen sich vor allem vor allem chinesische Hersteller
Technisch basiert der Kombi auf der seit Mai 2024 in China erhältlichen Limousine Seal 06 DM-i. Das 4,85 Meter lange Fahrzeug mit 2,79 Metern Radstand wird dort mit zwei Antriebsvarianten angeboten: In der Basisversion arbeitet ein 1,5-Liter-Benziner mit 73 kW (99 PS) mit einem 118 kW (161 PS) starken Elektromotor zusammen, gespeist von einer 10-kWh-LFP-Batterie mit 53 Kilometern rein elektrischer Reichweite (nach CLTC). Die stärkere Version kombiniert einen 158 kW (215 PS) starken Benzinmotor mit einer größeren Batterie (ca. 16 kWh), was die Reichweite um rund 27 Kilometer erhöht. Der Einstiegspreis liegt in China bei umgerechnet unter 20.000 Euro, für Deutschland wird ein deutlich höheres Preisniveau erwartet.
Neue Kooperation mit Finn
Zeitgleich hat BYD eine umfassende Kooperation mit dem deutschen Auto-Abo-Anbieter FINN gestartet. Im Rahmen eines langfristigen Vertrags werden innerhalb der nächsten zehn Monate bis zu 5.000 BYD-Fahrzeuge an FINN geliefert. Damit sind erstmals Modelle wie der Dolphin, Seal, Seal U DM-i, Sealion 7 sowie der neue Dolphin Surf über das FINN-Abo verfügbar – mit Laufzeiten von sechs bis 24 Monaten. Ziel der Partnerschaft ist es, nachhaltige Mobilität breiter verfügbar zu machen. FINN will bis 2028 den Elektroanteil seiner Flotte auf über 80 Prozent steigern und bietet über das „JobAuto“-Modell Unternehmen eine besonders günstige Option zur Mitarbeitermobilität.
Die Bleche für das Werk in Szeged wird Voestalpine liefern
Auch auf industrieller Ebene treibt BYD seine Europa-Strategie mit Hochdruck voran. Das Unternehmen hat mit dem österreichischen Stahlkonzern voestalpine eine Liefervereinbarung geschlossen: Ab Herbst 2025 wird voestalpine hochwertigen Flachstahl für Karosserie- und Außenbleche an das neue BYD-Werk im ungarischen Szeged liefern. Die Partnerschaft ist Teil der Lokalisierungsstrategie von BYD, das bis Ende 2025 in 29 europäischen Ländern mit über 1.000 Vertriebsstandorten vertreten sein will. Zusätzlich entstehen in Budapest sowohl eine neue Europazentrale als auch ein erstes eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum auf dem Kontinent.
„BYD hat immer klar zum Ausdruck gebracht, dass wir nach Europa gekommen sind, um hier zu bleiben – und um hier zu produzieren“, kommentiert Stella Li, Executive Vice President von BYD. Sie ergänzt:
„Unser Engagement für den europäischen Markt ist stark und geht weit über den reinen Verkauf von Autos hinaus, wie wir hier unter Beweis stellen. Wir verfolgen hier eine langfristige Vision mit dem Ziel, innerhalb der nächsten fünf Jahre von den Verbrauchern als europäischer Hersteller wahrgenommen zu werden. Unser Werk in Ungarn steht natürlich im Mittelpunkt dieses Prozesses. Daher stellt jeder lokale Zulieferer, den wir bekanntgeben, einen weiteren wichtigen Schritt dar. Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit voestalpine, einem Unternehmen mit einer langen Innovationsgeschichte und einem klaren Bekenntnis zu Dekarbonisierung und nachhaltiger CO2-Reduktion.“
In Österreich startet ein V2H-Pilot
Sehr aktiv ist BYD auch in Österreich, wo der Hersteller mit 15 Prozent Marktanteil bei privaten Käufern von E-Autos bereits die Spitze übernommen hat. Hier startet BYD ein Pilotprojekt zur Vehicle-to-Home-Technologie (V2H), das es Haushalten ermöglichen soll, überschüssige Energie aus Solaranlagen effizient über das Auto zu speichern und zu nutzen. Österreich gilt durch seinen hohen Solarstromanteil als idealer Testmarkt – laut Händlern erkundigt sich bereits rund die Hälfte der Kunden gezielt nach dieser Funktion.
Was bedeutet das?
Mit dem breiten Produktangebot, dem konsequenten Ausbau strategischer Partnerschaften und dem Aufbau lokaler Produktion setzt BYD klare Zeichen: Das Unternehmen will nicht nur in Europa verkaufen, sondern langfristig als europäischer Hersteller wahrgenommen werden.