Buick Electra Orbit: Abgehobene Studie
Auf dem Weg ins Nirwana oder ins All lässt Buick immer mal wieder die alte Herrlichkeit durchblitzen, als man neben Cadillac die größten Schlachtschiffe im GM-Konzern baute und die obere Mittelklasse bediente. Das ist längst vorbei: In den USA krebst man seit Jahren am Rande der Wahrnehmbarkeit umher und auch in China verliert man als „ausländische“ Marke Marktanteile.
Die "Potholes" wurden als LED neu interpretiert
Also mal wieder Zeit für eine Studie, die die drei „Potholes“ in den Kotflüglen – die die mächtigen V8 pseudomäßig zusatzbeatmen sollten und DAS Buick-Designmerkmal waren zu Scheinwerfer-LEDs uminterpretierte. Dahinter: Fast sechs Meter Auto, die auch Donald Trump gefallen könnten. Obwohl der den Alu-Airstream-Style der 1950er Jahre wahrscheinlich gar nicht zu schätzen wüsste.
Trotzdem hat sich das GM China Advanced Design Center mit dem Electra Orbit alle Freiheiten genommen, die eine vollelektrische Plattform und ein Konzeptstatus erlauben. Herausgekommen ist ein Fahrzeug, das aussieht wie eine Mischung aus Raumschiff, 50er-Jahre-Road-Cruiser und Science-Fiction-Oper. Fast sechs Meter lang, über zwei Meter breit, 24-Zoll-Räder (Lkw haben 22,5), Scherentüren ohne B-Säulen, womit kurz gesagt eine rollende Design-Skulptur entstand, die vermutlich schon beim Einparken an den Gesetzen der Physik scheitert.
Erbe und Visionen: Beides hat Buick so gründlich verkackt wie die Bahn in Deutschland
Stuart Norris, Vizepräsident für Design bei GM China und GM International sowie Designchef bei SAIC-GM, erklärt vollmundig:
„Electra Orbit ist eine mutige Erkundung dessen, was Buick sein kann, wenn wir Inspiration aus unserem Erbe mit visionärer Innovation kombinieren.“
Visionär ist hier vieles, etwa der holographische KI-Assistent in Kugelform, oder ein „Digital Illusion Carpet“, der den Boden in eine interaktive Lichtspielwiese verwandelt. Und natürlich das zentrale Bedienelement: eine gläserne Steuerkugel in der Mittelkonsole, irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und Esoterikmesse.
Das Fahrzeug trägt den Namen Electra, der übrigens mehr als nur Konzept ist: Buick führt die Submarke in China als neue Linie für Elektrofahrzeuge ein. Der Zusatz „Orbit“ steht dann wohl für das Design-Niveau: außerirdisch. Der Innenraum folgt einem "Orbit-inspirierten Design" mit bogenförmigem Panoramadisplay („Ring“), einer Lounge-artigen 2+2-Konfiguration und einer Materialwelt, die irgendwo zwischen Brokat-Vorhang und Kristallluster pendelt. Auch hier scheint Donald Trump bis nach Shanghai schon abzufärben. Norris erklärt kühn:
„Indem wir Motive aus dem Raumfahrtzeitalter neu interpretieren und die Freiheiten der Elektroarchitektur ausnutzen, wollten wir ein Konzept schaffen, das sich sowohl durch seine vertraute Buick-DNA als auch durch seine aufregende Neuartigkeit auszeichnet.“
Ob man in dieser Kugel wirklich noch DNA erkennt oder eher sonstwas, sei dahingestellt. Zumindest beweist Buick Mut zur großen Geste – was in China durchaus Sinn ergibt. Denn dort ist die Marke stückzahlenmäßig noch halbwegs präsent. In den USA dagegen ist Buick irgendeine SUV-Marke für irgendwen, der noch einen Buick-Dealer in der Nähe hat.
Norris legt aber mutig nach:
„Das Electra Orbit Concept zeigt die Kreativität und die einzigartige Perspektive des Designteams von GM China“.
Und er legt mutig nach:
„Verankert in lokalen Erkenntnissen und angetrieben von erfinderischer Erkundung, demonstriert das Projekt, wie kühne Formen, Materialien und Technologien in einem authentischen Kontext umgesetzt werden können.“
Da können wir ihm mal Recht geben, doch das Problem: So weit ins All wird sich Buick nie trauen! Denn die Ernüchterung folgt in Zahlen - den nicht vorhandenen: Technische Daten? Fehlanzeige. Kein Wort zur Reichweite, Leistung oder Ladegeschwindigkeit. Das ist allerdings konsequent, denn der Orbit ist keine technische Studie, sondern ein rollendes Statement. Was Buick daraus macht, bleibt offen. Ein kleiner Trost: Einzelne Designelemente könnten es in kommende Serienmodelle schaffen. Die Kugel vielleicht eher nicht.
Was bedeutet das?
Was für Buick bleibt, ist einmal mehr ein schöner, absurder, ästhetischer Entwurf – ein Raumschiff, das nie starten wird, aber immerhin für ein paar Minuten Aufmerksamkeit sorgt. Buick in den USA könnte von so viel Mut durchaus etwas gebrauchen. Vielleicht nicht gleich den ganzen Orbit – aber wenigstens einen kleinen Neuanfang auf dem Boden der Tatsachen. Den sich GM auch diesmal nicht trauen wird…