PKW

BEM meldet vorläufig Insolvenz an

Der Verband muss vorläufige Insolvenz anmelden. Wie es nun mit der Branchenvertretung weitergeht, ist unklar. Experten halten einen E-Mobilitätsverband jedenfalls für dringend notwendig.

Der vorläufig letzte Auftritt des Verbands fand Mitte Mai auf der Power2Drive statt. | Foto: BEM
Der vorläufig letzte Auftritt des Verbands fand Mitte Mai auf der Power2Drive statt. | Foto: BEM

Der Bundesverband eMobilität (BEM) hat Insolvenz angemeldet. Gemäß einer Bekanntmachung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg vom 22. Mai ist bereits ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden. Die Finanzlage sei völlig unklar. Nun muss der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus analysieren, ob eine Sanierung des Verbands Aussicht hat. Falls nicht, droht die endgültige Insolvenz. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete darüber hinaus Maßnahmen an, die auf die Sicherung der Insolvenzmasse angelegt sind. So darf der BEM – wie üblich – nur noch mit dem Plazet des Insolvenzverwalters über sein Vermögen verfügen und Gläubiger dürfen Leistungen nur noch an den Insolvenzverwalter, aber nicht mehr an den BEM erbringen. 

Die Krise des Vereins sei das Ergebnis eines Bündels an Ursachen, heißt es zuletzt vom Verband: Auf der externen Seite haben die trübe gesamtwirtschaftliche Lage und die Schwierigkeiten für Unternehmen der E-Mobilität den Verband zunehmend belastet. Hinzu kamen interne Spannungen, die zu Irritationen bei der Mitgliederschaft geführt haben. Dies hatte wiederum Austritte, Kündigungen, Lagerbildungen und Probleme bei Beitragszahlungen zur Folge. 

„Wir bedauern die Einleitung des Insolvenzverfahrens, denn es markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der Geschichte unseres Verbands. Rechtlich gesehen war es aber ein unvermeidbarer Schritt“, formuliert der Vorstand. 

Die Finanzplanung des Verbands wies zuletzt eine bilanzielle Überschuldung mit negativer Fortführungsprognose aus. Dementsprechend sah sich der Vorstand folgerichtig in der Pflicht, einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung zu stellen, so die Mitteilung des BEM weiter.

Derzeit wird der Verein durch die Vorstände Markus Emmert und Christian Heep gesetzlich vertreten. Vom Verband gibt es bisher kein offizielles Statement. Der Gründungspräsident und langjährige Chef Kurz Sigl wurde im vergangenen Jahr kurzfristig abberufen, allerdings noch vor den anstehenden Vorstandswahlen, offiziell einvernehmlich. Doch hinter den Kulissen brodelte es, wie man unter der Hand erfahren konnte. Von einer "Schlammschlacht" war gar die Rede.

Der Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Bochum, sagte auf Anfrage der Tageszeitung taz, es sei „bedauernswert, wenn ein Verband, der sich für Elektromobilität einsetzt, in Insolvenz geht“. Allerdings sehe er „die Beiträge des Verbandes eher überschaubar“. Offensichtlich hätten das auch einige Mitglieder so gesehen und dann ihre finanziellen Beiträge gekürzt. Man brauche eine starke Vertretung der Elektromobilität in Deutschland, erklärte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach der taz. Insofern seien „die internen Streitereien und die Insolvenz ein Jammer“. Im Sinne der Mitglieder seien nun schnelle Lösungen nötig.

Der seit über 16 Jahren bestehende Interessenverband setzt sich nach eigener Beschreibung für die Förderung der E-Mobilität ein und vertritt in diesem Rahmen aktuell noch rund 250 Mitglieder – Unternehmen, Institutionen, Organisationen, Vereine, Verbände und Einzelpersonen. Der BEM positionierte sich über Jahre mit zahlreichen Statements gegenüber der Politik, aber auch der Öffentlichkeit. Jüngst gab es noch einen Auftritt des Verbands auf der zentralen Branchenschau Power2Drive in München, offenbar aber ohne Präsenz des Vorstands. Zuletzt hatte der Verband auch noch Handlungsempfehlungen für die neue Bundesregierung publiziert, um den Hochlauf der E-Mobilität zu beschleunigen.