LKW

Autonomes Fahren: TÜV-Verband fordert klare Regeln

Der TÜV-Verband legt einen Sieben-Punkte-Plan zur autonomen Mobilität vor. Darin spricht er sich der TÜV-Verband für für sichere und transparente Rahmenbedingungen sowie europaweit einheitliche Standards bei Sicherheit, Prüfung und Datenzugang aus.

Erstmals wurde erst vor Kurzem im Atlas-L4-Projekt das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren im Lkw-Hub-to-Hub-Verkehr angewandt. (Bild: Atlas-L4)
Erstmals wurde erst vor Kurzem im Atlas-L4-Projekt das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren im Lkw-Hub-to-Hub-Verkehr angewandt. (Bild: Atlas-L4)

Die Zukunft des Fahrens nimmt zunehmend konkrete Formen an. Autonome Fahrzeuge, KI-gesteuerte Systeme und vernetzte Infrastrukturen verändern die Logistikbranche grundlegend. Damit der technologische Fortschritt nicht zum Sicherheitsrisiko wird, hat der TÜV-Verband jetzt ein Positionspapier mit einem Sieben-Punkte-Plan für eine sichere digitale Mobilität vorgelegt. Die Forderung: eine adaptive Regulierung, die mit der technologischen Entwicklung Schritt hält.

„Ziel muss es sein, Fahrzeuge mit höheren Automatisierungsgraden zügig, aber unter klaren Sicherheits- und Cybersecurity-Vorgaben in den Verkehr zu bringen“, betont Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband.

Autonome Fahrfunktionen könnten demnach nicht nur innerstädtischen Verkehr entlasten, sondern auch in der Logistik echten Mehrwert bieten – vorausgesetzt, der gesetzliche Rahmen ist eindeutig und die Technik nachprüfbar sicher.

Autonome Fahrzeuge im Güterverkehr gezielt einsetzen

Als Einstieg empfiehlt der TÜV-Verband autonome Fahrzeuge dort einzusetzen, wo sie bereits unter kontrollierten Bedingungen funktionieren: auf Werksgeländen oder klar abgegrenzten Hub-to-Hub-Verbindungen zwischen Logistikzentren. Ergänzt werden könnten diese durch sogenannte „Automated Driving Corridors“. In diesen Bereichen mit begrenzter Komplexität ließen sich automatisierte Systeme unter realen Bedingungen erproben, Prüfprozesse standardisieren und rechtliche Anforderungen auf Grundlage belastbarer Daten weiterentwickeln. Auf diese Weise könne das Vertrauen in die Technologie wachsen, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.

Regulatorische Grauzonen vermeiden

Ein Blick in die USA zeige, wohin fehlende Regulierung führen kann, argumentiert der TÜV-Verband. Die jüngsten Robotaxi-Piloten würden belegen, dass ein rein marktwirtschaftlicher Impuls ohne transparente Regeln und technische Aufsicht zu Sicherheitslücken und Akzeptanzproblemen führt.

„Wir sehen, dass fehlender Zugang der Aufsichtsstellen zu Echtzeitdaten und Software-Änderungen den Blick auf die tatsächliche Risikolage versperrt“, so Goebelt.

Um ähnliche Entwicklungen in Europa zu verhindern, fordert der Verband einheitliche Regeln für fahrzeuggenerierte Daten, eine unabhängige Prüfung sicherheitskritischer KI-Systeme und eine leistungsfähige Prüfinfrastruktur über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg.

Goebelt macht deutlich: „Der Regelbetrieb von Level-4-Fahrzeugen wird nur dann Realität, wenn Rechtsrahmen, technische Standards und unabhängige Prüfstellen dieselbe Sprache sprechen.“

Sicherheit als Voraussetzung für Vertrauen

Aus Sicht des TÜV-Verbands hängt die gesellschaftliche Akzeptanz autonomer Systeme maßgeblich von deren nachweisbarer Sicherheit ab.

„Ohne Sicherheit kein Vertrauen – und ohne Vertrauen keine Akzeptanz für autonome Mobilität“, so Goebelt.

Die Menschen müssten sicher sein können, dass neue Technologien nicht nur funktionieren, sondern auch kontrollierbar sind. Dafür brauche es verlässliche Regeln und unabhängige Prüfverfahren.

In Deutschland ist mit der Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs- und Betriebsverordnung (AFGBV) bereits ein umfassender rechtlicher Rahmen vorhanden. Sie regelt unter anderem die zweistufige Genehmigung für Fahrzeugtyp und Betriebsbereich. Noch fehlen jedoch Serienfahrzeuge und ausreichend Erfahrungen aus dem Alltag. Auf europäischer Ebene existieren mit dem Cyber Resilience Act, dem AI Act und dem Data Act bereits wichtige gesetzliche Grundlagen. Entscheidend sei jetzt, diese Regeln in konkreten Projekten anzuwenden und die dabei gewonnenen Erkenntnisse rasch in Standards und Prüfverfahren zu überführen.

Appell an Europa: Prüfverfahren harmonisieren

Ein weiterer zentraler Punkt des Positionspapiers ist die Forderung nach einer stärkeren europäischen Koordinierung. Einheitliche Genehmigungsverfahren, verbindliche Sicherheitsanforderungen und der Aufbau grenzüberschreitender Testkorridore sollen helfen, die Einführung autonomer Fahrzeuge auf dem Kontinent zu beschleunigen.

Goebelt betont: „Deutschland und Europa müssen die Einführung autonomer Fahrzeuge aktiv gestalten – mit klaren Regeln, verlässlichen Prüfprozessen und einer innovationsfreundlichen Verwaltung.“

Das vollständige Positionspapier mit dem Titel „Digital Car – Sicherheit, effiziente Regulierung und unabhängige Prüfung“ ist auf der Website des TÜV-Verbands abrufbar. Interessierte können sich dort auch zur digitalen Veranstaltung „Autonomes Fahren für alle?“ am 27. Juni 2025 informieren. Im Rahmen des Digitaltags will der Verband mit Expertinnen und Experten über gesellschaftliche Teilhabe, politische Rahmenbedingungen und den Stand der Technik in Deutschland diskutieren.