PKW

ABB E-Mobility: Plattform für Lkw-Ladeinfrastruktur - Güterverkehr als Innovationsfeld

Drei neue Ladelösungen inklusvie eines Megawatt-System für Lkw sollen Flotten den Einstieg in die Elektromobilität wirtschaftlicher und zuverlässiger gestalten. Der Anbieter sieht den Straßengüterverkehr als Innovationsfeld der Elektrifizierung.

Mit der neuen Generation modularer Schnellladerlegt ABB den Fokus auf die Anforderungen von Lkw-Flotten. (Foto: ABB E-Mobility)
Mit der neuen Generation modularer Schnellladerlegt ABB den Fokus auf die Anforderungen von Lkw-Flotten. (Foto: ABB E-Mobility)

Mit drei neuen Ladeprodukten setzt ABB E-Mobility seine Plattformstrategie fort und will damit insbesondere Flottenbetreibern im Straßengüterverkehr den Umstieg auf Elektroantriebe erleichtern. Die neuen Modelle – A200/A300, ChargeDock Dispenser und MCS1200 –, die ABB E-Mobility in einer aktuellen Pressemeldung ankündigt, zielen auf hohe Skalierbarkeit, verbesserte Servicefreundlichkeit und zuverlässige Betriebszeiten. Grundlage ist eine modulare Systemarchitektur, die ABB zufolge Ausfälle minimiert und Wartungsaufwände reduziert.

Laden während der Ruhezeiten

Die Neuentwicklungen sind für unterschiedliche Anwendungsbereiche gedacht– von öffentlicher Ladeinfrastruktur über Depotlösungen für E-Busse bis hin zur Hochleistungsladung für schwere Nutzfahrzeuge. Interessant für Transport- und Logistikdienstleister ist vor allem das Megawatt-Ladesystem MCS1200. Es liefert bis zu 1.200 kW Dauerleistung und wurde gemäß den Angaben in enger Abstimmung mit führenden Lkw-Herstellern entwickelt. Damit sollen auch schwere E-Fahrzeuge während der gesetzlichen Ruhezeiten der Fahrer genug Energie für die nächste Etappe laden können.

„Die Ladeinfrastruktur entwickelt sich über punktuelle Lösungen hinaus – wir bauen Plattformen, die über das gesamte Ökosystem hinweg Konsistenz bei Bedienung, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit bieten", betont ABB-CEO Michael Halbherr. 

Das Unternehmen verlagere den Großteil seiner Entwicklungsressourcen auf modulare Plattformen, was die Qualität steigere und die Entwicklungszyklen beschleunige. Die neue Architektur ermögliche zudem eine enge Zusammenarbeit mit Zulieferern.

Innovationsfeld der Elektrifizierung

Im Straßengüterverkehr sieht ABB ein entscheidendes Innovationsfeld für die Elektrifizierung. Das Unternehmen verweist auf ein globales Marktpotenzial von 35 Milliarden US-Dollar bis 2030. Die neue Plattformarchitektur sei darauf ausgelegt, segmentübergreifende Anforderungen abzudecken und gleichzeitig spezifische Lösungen zu bieten.

Die technische Basis bilden vier logisch getrennte Subsysteme: Nutzererlebnis, Energieübertragung, Mechatronik und Cloud-Anbindung. Diese Trennung erlaubt laut Halbherr individuelle Updates und reduziert das Risiko eines Komplettausfalls.

„Anders als bei konventionellen Ladern, bei denen ein Defekt an der Benutzeroberfläche das gesamte System lahmlegt, bleibt der Ladevorgang bei uns selbst dann aktiv“, erklärt der CEO.

Das Unternehmen strebt eine Betriebsverfügbarkeit von 99 Prozent an – ein zentraler Faktor für Logistikunternehmen mit hohem Zeitdruck.

Lösung für Depotladen

Ein weiterer Baustein im neuen Portfolio ist die Chargedock-Lösung für Depotanwendungen. In Verbindung mit dem bereits verfügbaren HVC 360 System ermöglicht sie flexible Konfigurationen, etwa mit Dachstromabnehmern oder Säulenlösungen. Die Ladeleistung liegt bei bis zu 360 kW mit einem Abstand von bis zu 150 Metern zwischen Leistungseinheit und Ladepunkt. Der Dispenser liefert dauerhaft bis zu 500 Ampere.

Die neuen A200- und A300-Modelle sind für öffentliche Ladepunkte konzipiert. Sie lassen sich im Feld von 200 auf 300 oder 400 kW aufrüsten. Das soll Investitionen schützen und eine wirtschaftlichere Nutzung über zehn Jahre ermöglichen. Im Einzelhandel ergänzt der C50 das Angebot – ein besonders kompakter Lader für Standorte mit kurzer Verweildauer.

Markenübergreifende Gestaltung

Neben der Technik legt ABB Wert auf eine markenübergreifende Gestaltungsmöglichkeit. Die Nutzeroberfläche kann individuell angepasst werden, etwa durch Logos, Farben und Sprachwahl. Die Hardware der neuen Plattformgeneration wurde bereits mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet.

Den Flottenbetreibern verspricht ABB zudem Vorteile bei Wartung und Service: Standardisierte Komponenten sollen Reparaturen bis zu sechsmal schneller machen als bei herkömmlichen Systemen. Zudem ist jeder Lader mit der cloudbasierten Asset-Management-Plattform des Herstellers verbunden, die eine 24/7-Überwachung sowie Vor-Ort-Service innerhalb von 24 Stunden ermöglicht.

ABB E-Mobility will die neuen Produkte erstmals auf der ACT Expo in Anaheim und anschließend im Mai auf der Power2Drive in München präsentieren.