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100 Tage Merz: BLV-pro meldet Insolvenzwelle im Transportsektor

Der BLV-pro e.V. sieht wachsende Insolvenzen, schlechte Arbeitsbedingungen und steigende Kosten als Risiken für den deutschen Straßengüterverkehr.

Der BLV-pro schlägt Zwölfmonatsplan vor, um Insolvenzen, Kostensteigerungen und Marktverdrängung im deutschen Straßengüterverkehr zu stoppen. (Symbolbild: Pixabay)
Der BLV-pro schlägt Zwölfmonatsplan vor, um Insolvenzen, Kostensteigerungen und Marktverdrängung im deutschen Straßengüterverkehr zu stoppen. (Symbolbild: Pixabay)

100 Tage nach dem Amtsantritt der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Bundesverband Logistik & Verkehr (BLV-pro) eine deutliche Warnung ausgesprochen. Insolvenzen im Straßengüterverkehr würden spürbar zunehmen. Der Verband, der sich seit 2020 zunächst als Initiative und seit 2021 als eingetragener Verband für kleine und mittelständische Transportunternehmen sowie deren Fahrer engagiert, sieht die Versorgungssicherheit in Deutschland in Gefahr.

Ergebnisse einer Befragung

In der vergangenen Woche führte der BLV-pro eine Befragung unter Unternehmern und Fahrern durch. Ziel war es, die Stimmung in der Branche und die Einschätzung der ersten 100 Regierungstage zu erfassen. Die Rückmeldungen zeichneten ein klares Bild: Lohndumping, fehlende Kontrollen im Kabotageverkehr und eine zunehmende Bürokratie belasten die Betriebe. Gleichzeitig klagen Fahrer über fehlende Wertschätzung, steigende Kosten für sanitäre Anlagen und einen weiterhin unzureichenden Ausbau von Lkw-Parkplätzen.

„Die Arbeitsbedingungen für Fahrer verschlechtern sich zusehends – hohe Kosten für unsaubere Sanitäranlagen, mangelnde Hygiene, fehlende Wertschätzung und fehlende Parkplätze sind nur einige der Herausforderungen. Aber auch der Grund, dass viele Fahrer die Logistik verlassen“, erklärte Mirko Reichelt, Fahrer und Beauftragter im Verband.

Belastungen für Unternehmen

Auch auf Unternehmensebene sieht der Verband akute Risiken. Schriftführerin Bärbel Karnik berichtete von einer nahezu täglichen Zahl an Betriebsaufgaben und Insolvenzen kleiner und mittlerer Speditionen. Als zentrale Ursachen nannte sie die Dieselpreise, die CO2-Abgaben und die jüngsten Mautsteigerungen. Diese Faktoren setzten nicht nur schwächere Betriebe unter Druck, sondern belasteten auch die Unternehmen, die bislang noch durchhalten.

„Das Sterben des deutschen Güterkraftverkehrs muss beendet werden“, so Karnik.

Gefährdete Wettbewerbsfähigkeit

BLV-pro-Vorsitzender Konstantin Popov machte auf strukturelle Marktverschiebungen aufmerksam. Nach seiner Einschätzung führt die Kombination aus großen osteuropäischen Flotten, intransparenten Subunternehmerketten und fehlender Durchsetzung bestehender Regeln zu einer schleichenden Verdrängung deutscher Anbieter.

„Unsere Branche ist eine tragende Säule der Versorgungssicherheit in Deutschland – und diese Säule wankt“, sagte Popov.

Politische Adressaten

Seine Stellungnahme leitete der Verband eigenen Angaben zufolge an zentrale Entscheidungsträger der Bundesregierung weiter. Neben Bundeskanzler Friedrich Merz erhielten Verkehrsminister Patrick Schnieder, Arbeitsministerin Bärbel Bas und Finanzminister Lars Klingbeil die Schreiben. Damit wolle der Verband verdeutlichen, dass es sich um eine branchenübergreifende Herausforderung handelt, die mehrere Ressorts betrifft.

Maßnahmenplan für zwölf Monate

Um die Lage kurzfristig zu stabilisieren, fordert der Verband einen Umsetzungsfahrplan für die kommenden zwölf Monate. Dieser sieht zunächst einen Gesetzesentwurf für Transparenzpflichten und eine Auftraggeberhaftung vor. Parallel solle das Bundesamt für Logistik und Mobilität personell gestärkt werden, um ein Pilotprojekt für digitale Kabotage-Kontrollen in drei Bundesländern zu starten. Weitere Schritte beträfen die technische Vorbereitung einer Pflicht zu digitalen Frachtpapieren wie eCMR und eFTI, deren Schnittstellen getestet werden sollen. Nach einem Jahr sollten zudem erste Ergebnisse in einem Monitoring-Report veröffentlicht werden. Ergänzend verlangt der Verband die Freigabe von Mautdaten, um Verstöße besser ahnden zu können.

Einordnung für die Branche

Mit seiner Stellungnahme macht der BLV-pro deutlich, dass es nicht nur um einzelne Kostenfaktoren geht, sondern um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Straßengüterverkehrs. Der Verband warnt vor einem dauerhaften Strukturwandel, der Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit gleichermaßen bedrohen könnte. Für Speditions- und Logistikunternehmen in Deutschland ist damit klar: Die politische Weichenstellung der kommenden Monate wird entscheidend dafür sein, ob mittelständische Betriebe im Wettbewerb bestehen können oder weiter an Boden verlieren.