LKW

Lkw-Kontrollen: Drittstaaten-Fahrer oft ohne Praxis – Fälschermarkt boomt

Recherchen von SZ und Westpol zeigen: Vielen Fahrern aus Georgien und Usbekistan fehlen Fahrpraxis, Sprachkenntnisse oder gültige Qualifikation. Falsche Führerscheine werden angeboten.

Polizei und Bundesamt für Logistik und Mobilität überprüfen regelmäßig Lkw und Fahrpersonal. 2023 wurde bei rund 40 Prozent der Kontrollen ein Verstoß festgestellt. (Foto: BALM)

Zunehmend stoßen deutsche Kontrollbehörden im Straßengüterverkehr auf gravierende Verstöße gegen geltende Qualifikationsvorgaben für Lkw-Fahrer. Das ergaben Recherchen von Süddeutsche Zeitung und der WDR-Sendung Westpol. Den Berichten zufolge stehen dabei insbesondere Fahrer aus Georgien und Usbekistan im Fokus, die von osteuropäischen Speditionen für Transporte im deutschen Markt eingesetzt werden. Wie die Süddeutschen berichtet, häufen sich Fälle, in denen diese Fahrer weder über eine gültige Fahrerlaubnis noch über die erforderliche Grundqualifikation verfügen.

Behörden intensivieren Kontrollen

Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten, haben sowohl das Bundesamt für Logistik und Mobilität als auch die Landespolizeien ihre Kontrollmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Laut Süddeutscher Zeitung kontrollierte das Bundesamt im Jahr 2023 rund 105.000 Fahrzeuge. Bei etwa 40 Prozent der Fälle stellten die Beamten Verstöße fest. Besonders häufig überprüften sie dabei Fahrzeuge aus osteuropäischen Flotten, die für deutsche Auftraggeber im Einsatz waren.

Fehlende Erfahrung und Sprachbarrieren

Den Recherchen zufolge fehlt es vielen Fahrern nicht nur an gültigen Papieren, sondern auch an praktischer Erfahrung. Einige Fahrer seien nach kurzer Einweisung auf Fahrzeuge gesetzt worden, die sie in dieser Form noch nie zuvor gefahren hätten. Ein Fahrer aus Usbekistan berichtete gegenüber der Süddeutschen Zeitung, er habe vor seinem Einsatz in Europa keine Fahrpraxis mit schweren Lkw gehabt und nur einen einwöchigen Crashkurs in Lettland absolviert. Auch sprachliche Hürden beeinträchtigen laut Polizei die sichere Teilnahme am Verkehrsgeschehen.

Schwarzmarkt für Führerscheine dokumentiert

Im Zuge der Recherchen stieß die Süddeutsche Zeitung gemeinsam mit dem Fernsehmagazin Westpol auf ein breites illegales Angebot an gefälschten Lkw-Führerscheinen. Über Messenger-Dienste wie Telegram kontaktierten die Reporter mutmaßliche Fälscher aus Rumänien, Usbekistan und Deutschland. Die Preise für die täuschend echt wirkenden Dokumente reichten von 150 bis 1.200 US-Dollar. Zwar wurde im Rahmen der Recherche kein Führerschein erworben, doch zeigen die Gespräche die Existenz eines funktionierenden Schwarzmarkts. Ob und in welchem Umfang solche Fälschungen tatsächlich im Einsatz sind, geht aus dem Artikel jedoch nicht hervor.

Gefährdung der Sicherheit und Wettbewerbsverzerrung

Die Ergebnisse der Kontrollen werfen laut Süddeutscher Zeitung nicht nur Fragen zur Verkehrssicherheit auf, sondern auch zur Einhaltung von Marktregeln im europäischen Wettbewerb. Durch den Einsatz von Fahrern ohne ausreichende Qualifikation können Transportunternehmen Personalkosten deutlich senken. Für deutsche Güterverkehrsunternehmen mit regulär ausgebildetem Personal entsteht dadurch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.

Herausforderungen für Auftraggeber im Güterverkehr

Für Manager im Straßengüterverkehr ist die Entwicklung in mehrfacher Hinsicht relevant. Neben der Frage der Verkehrssicherheit betrifft das Thema auch die Auftraggeberhaftung bei Subunternehmerketten. Die Süddeutsche Zeitung weist darauf hin, dass deutsche Unternehmen regelmäßig Speditionen aus Osteuropa beauftragen, die wiederum Fahrer aus Drittstaaten einsetzen. Eine mangelnde Kontrolle der Qualifikation entlang der gesamten Lieferkette kann daher auch zu rechtlichen und finanziellen Risiken für Auftraggeber führen.