VM-Fahrbericht Lancia Y Hybrid LX: Viva Italianità!
Offiziell ruft Lancia in Italien 27.000, mittlerweile gar 28.200 Euro netto für seinen Top-Hybrid auf. Doch da die meisten potenziellen Kunden hier nicht mitgingen, bietet man ihn aktuell für 22.450 Euro brutto an! Fast 6.000 Euro Rabatt! Der Hintergrund: Der Vorgänger fuhr eine ganze Klasse drunter – sowohl in Sachen Haptik als auch in der Leistung. Aber eben auch im Preis und das ist der Knackpunkt: Der Vorgänger war die elegante italienische Kleinwagenalternative, die man irgendwo zwischen 15.000 und maximal 20.000 Euro erwerben konnte – da liegt der neue total drüber. Und: Er kann seine Abstammung vom Duo Opel Corsa und Peugeot 208 optisch nicht ganz so gut kaschieren – und trotzdem würden wir ihn den beiden anderen vorziehen, denn: Er teilt sich mit ihnen das knackige Fahrverhalten und würzt das mit hochindividueller Optik und einer starken Prise „Italianita“.
Innen kann nur ein Lancia so ausgestattet sein
Das beginnt schon beim Einsteigen, wo einen die sehr lanciaspezifischen plüschigen Sitze erwarten – in braunem Rautenmuster zitieren sie die eleganten Limousinen der 1970er und 1980er Jahre. Dazu kommt eine ungewöhnliche Mittelkonsole, die hinter der induktiven Handyablage zu einem zugegebenermaßen eher sinnlosen Beistelltischchen auskragt. Das kombiniert man aber mit feinen Luftausströmern und einer feinen digitalen Grafik, dass sich der Y doch massiv von seinen Geschwistern abhebt. Etwas weniger Hartplastikanmutung auf der Oberseite der I-tafel hätte ihm gut getan, aber in diesem Segment tapezieren auch Audi und Co eher preisbewusst.
Wir starten den 1,2-Triple, der knurrig und willig an die Arbeit geht: Der Turbo gönnt ihm praktisch kein Löchlein, sondern zieht den Y schnell bergan. Dazu passt die straffe, aber nicht unkomfortable Federung und die direkte straffe Lenkung. Und so wedeln wir ein gutes Stück in den ligurischen Westteil des Apennin und freuen uns an der direkten Rückmeldung – der Vorgänger verblasst hier in jeder Hinsicht. Die Bedienung bleibt dank einer Tastenklaviatur eingängig, das Infotainment könnte etwas verständiger sein – das kennt man von den Geschwistern.
Das Antriebsduo passt zur knackigen Lenkung
Immerhin wirft der Hybrid zusammen mit der 28-PS-E-Maschine 100 PS an die Vorderräder und, noch wichtiger, stramme 205 Nm Drehmoment. Damit lässt sich arbeiten, zumal er Rollphasen immer wieder gern zum Segeln nutzt und das Triple wegknipst, was er, als wir die Serpentinen wieder runterrollen, oft tut. Allerdings schüttete er sich beim Hochtrommeln und freudigen Kurvenräubern so viel hinter die Binde, dass der seit 1.200 km bestehende Verbrauch von 6,5 l/100 km sich nicht änderte. Was im Bereich des Erwarteten lag. Wir wissen vom Corsa Hybrid: Wenn man es ganz gemächlich und vorausschauend angeht, sind knapp über 5,0 l/100 km drin, wer nur heizt, reißt auch mal die 7,0 l/100 km-Marke…
Und sonst? Sitzt man vorn gut auf großzügigem Gestühl mit edlen Kopfstützen. Im Fond kneift es etwas und großen Fahrgästen drücken die Kopfstützen ins Genick – ein Übel, das Stellantis konsequent beibehält – der Autor kennt es von seinem einstigen Alfa 159 Sportwagen genau so. Der Kofferraum bietet brauchbare 352 Liter beim Hybridmodell und etwas knappere 309 Liter beim Elektriker, aber auch das geht noch in Ordnung.
Die reduzierten italienischen Preise wären in Deutschland sehr attraktiv
Und ja, der Elektriker wäre damit klar die edlere Wahl. Der war als 1.906 mal limitierte Start-Edition in dunkelblau mit blauem Velours auch am Hof, aber eben nicht verfügbar. Für ihn ruft Lancia satte 39.900 Euro auf. Der LX kommt auf 38.399 Euro, die jetzt auf 32.399 Euro gesenkt wurden – die Basis startet aktuell mit 29.399 Euro knapp unter der magischen 30.000 Euro-Schwelle. Diese Tarife passen, denn was auch klar ist: Den Zuschlag, den sich Stellantis für Lancia gönnen wollte, gönnt der Marke der Markt nicht…zum Vergleich: Der Basis-208 startet bei 26.665 Euro, der Stromer mit 51 kWh-Akku ab 37.425 Euro.
Was bedeutet das?
In Deutschland müsste man die Preise gar nicht so weit nach unten korrigieren, um aus dem Y eine attraktive Alternative zu Corsa und Co zu machen. Klar ist: Er wird EU-weit ein Nischenmodell bleiben, aber hey – ein verdammt Attraktives. Zumal jetzt schon der 280 PS starke HF für Starkstrom sorgt. Weshalb wir uns wirklich freuen würden, die Marke auch in Deutschland wieder erleben zu dürfen. Denn geschichts- und teils gar nicht mal so gesichtsloses Asia-Food gibt es genug.