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IVOTY-Fahrbericht Ford E-Transit Courier: Ein E-Van mit Maß und Mitte

Mit der kantig-coolen Neuauflage des Courier nun als BEV liefert Ford Pro einen spannenden Beitrag. Und findet beim nach erstem Eindruck effizienten Antriebsset "das rechte Maß", das Gewicht, Ladezeit und Preis im Zaum hält. Der startet bei 29.000 Euro. Erste Eindrücke.

Vor lauter Reichweitenangst, die speziell in Deutschland, Land der "german Angst" natürlich weit verbreitet ist, hat man eine Tugend im Elektroautobau fast vergessen: "Right sized", not "oversized", das rechte Maß zählt. Wie gut, dass die Vansparte Ford Pro uns jetzt beim E-Transit Courier wieder daran erinnert. Puh, nur 43 kWh Akkukapazität, noch kleiner als bei der Konkurrenz von Renault und Stellantis, formal 300 Kilometer Reichweite, da lockt man doch heute keinen teutonischen Elektromuffel mehr hinter dem Verbrenner-Ofen hervor. Dachte man. Doch bei den ersten Testfahrten im Rahmen des "International Van of the Year" entpuppte sich der Speicher zwar als formal klein, aber ganz "groß" in der Energieausbeute. 

Bei normalen Temperaturen kommt man gut hin

Sodass man zumindest unter "best case"-Bedingungen, 20 Grad und trocken, sagen muss: Die 300 Kilometer sind hier zu halten. Und sie genügen für die angepeilten Anwendungen allemal. Weil die permanenterregte Synchronmaschine mit ihren 100 kW Leistung und das Batteriemanagement eben sehr zurückhaltend mit dem unterflur und Laderaum-neutral verbauten Energievorrat umgehen. Die Berg- und Talfahrt mit Stadt, Überland, kurzem Autobahnstück quittierte der Bordcomputer jedenfalls mit verheißungsvollen 14 kWh/100 km und nach 90 Kilometern Fahrt waren von den anfangs 92 Prozent noch immer 63 Prozent übrig. 17,1 kWh/100 km gibt Ford selbst im WLTP an. Unter 20 kWh sollten also auch im Winter machbar sein, auch dank einer innovativen Wärmepumpe mit Dampfeinspritzung, sodass 200 Kilometer immer garantiert sein dürften.

Ein "Segen der guten Tat" eines kleinen Lithium-Ionen-Akkus: Der moderate 100-kW-DC-Lader hinter der "Tankklappe" links hinten lädt den Speicher binnen 23 Minuten von 10 auf 80 Prozent, im sprichwörtlichen "Koffeestopp". In AC lädt man mit 11 kW und braucht dann auch nicht allzu lange, 5:16 Stunden, um genau zu sein.

Deckt die meisten Anwendungen ab

Damit deckt der deutlich gewachsene, aber auch "erwachsene" City-Transporter die allermeisten Anwendungen von Lieferdienst über Handwerk bis Catering ab. Und muss auch vor Palettenfracht nicht kapitulieren, weil dank kubisch-kantiger Form und auf 4,33 Meter gewachsener Länge nebst 1,80 Meter Breite (2,07 inkl. Spiegel) und 1,83 Meter Höhe zwei Standardladungsträger ins drei Kubikmeter fassende, maximal 1,80 Meter lange Heckabteil passen. Die dann je nach Ausstattung bei 2.250 Kilo Gesamtgewicht 650 bis zu 700 Kilo wiegen dürfen.

Kleiner Akku, niedriges Gewicht, höhere Nutzlast

Weil, zweiter Segen der guten Tat: Der kleine Akku hält das Gewicht angenehm im Zaum und lässt den stattlichen Kleintransporter nicht mehr als 1.550 bis 1.600 Kilo wiegen, für ein vollelektrisches Fahrzeug ein niedriger Wert. Gut, bei der Anhängelast stößt das auf der B-Segment-Plattform technisch baugleich mit dem Klein-SUV Puma basierende Konzept an seine Grenzen und 750 Kilo müssen bei der BEV-Variante des Multiantriebsmodells genügen. Aber auch hier dürfte gelten: "Right sized". 

Mit 250 Kilo Ballast an Bord und generell moderatem Gewicht hat der 100-kW-Motor aus dem E-Transit, der hier klassisch die Vorderräder antreibt, recht leichtes Spiel. Flott kommt man aus den Puschen, im Sport- oder Normal-Modus noch etwas flotter als im Eco-Mode, man zieht zügig auf Autobahnspeed bis 120 km/h (Eco 100 km/), fährt Lücken im Stadtverkehr schnell zu und kommt dabei sehr leise und geschmeidig über die Runden, weil der Motor kaum von sich hören lässt und auch Fahrwerk und Karosserie gut gedämmt und trotz kastiger Form recht windschlüpfrig sind. 

One-Pedal-Drive ist selbstverständlich

Für einen Ford könnte die etwas wächserne Lenkung mehr Präzision bieten, dafür ist sich leichtgängig und der Wendekreis mit 10,7 Meter nicht zu groß. Das Fahrwerk macht einen souveränen Job, ist hier aber ebenfalls mehr auf Komfort denn präziser Schärfe wie im "Zwilling" Puma ausgelegt. Die Fahrmodi ändern übrigens grundsätzlich nichts an der Reichweite, nur am Ansprechverhalten des Fahrpedals. Per L-Modus kann man die Rekuperation auf ein strammes Maß steigern, mittels "One-Pedal-Drive"-Button im Menü das in der Stadt sehr angenehme Fahren per Strompedal bis zum Stillstand aktivieren.

Gut abgestimmte Fahrerassistenz

Oder man aktiviert den optional erhältlichen Abstandstempomaten, der nicht nur auf der Autobahn, sondern auch im City-Betrieb einen zuverlässigen und nicht wie bei anderen Herstellern oft zu sehen alarmistischen Job macht. Diskret weist der Temporegler auf Überschreitung hin oder übernimmt im "Autopilot"-Betrieb das erlaubte Tempo gleich selbst. Auch die Spurassistenz arbeitet akkurat und rund, die Lenkradsensoren lassen "lange Leine" und fordern nicht permanent zum "verbissenen Halten des Volants" auf. 

Der Totwinkelsensor wiederum warnt optisch im gut dimensionierten Spiegel, der dank Weitwinkel aber sowieso wenig "blinde Flecken" lässt. Wie generell auch die Übersicht in dem Kleintransporter gut ist und dank der kantigen Sicken in der Haube die Dimensionen gut einschätzbar sind. Sicher kann man sich ohnehin fühlen: Der E-Transit Courier erhielt eine Platinum-Bewertung des Euro-NCAP-Rankings.

Simple Bedienung, viele Ablagen - und ein Frunk!

Die Bedienung gibt auch sonst keine großen Rätsel auf, in das beim BEV serienmäßige 12-Zoll-Sync-4-Infotainment findet man sich recht rasch ein, und der Screen schränkt mit dem moderaten Format den Blick nicht ein. Auch hier: Right sized. Auch das zentrale und digitale 12-Zoll-Instrumentcluster liefert die nötigen Informationen, inklusive eines Mehrebenen-Bordcomputers. Ablagen gibt es reichlich und in Hülle und Fülle, sehr praktisch ist die induktive Ladeschale (präzise platzieren!), die USB-Anschlüsse sowie 230-Volt-Steckdose darunter und die per herausnehmbaren Schalen zu organsierende Mittelablage. 

Und sogar einen kleinen, immerhin 44 Liter fassenden "Frunk" haben die Ingenieure auf frühe Hinweise hin noch unter die im Vergleich zu den Verbrennerpendants leergeräumte Kanthaube gepackt. Optional gibt es einen schmalen, dann für einen etwaigen Beifahrer nicht sehr bequemen Faltsitz, mit dem sich der Laderaum in den Beifahrerraum verlängern lässt, auf bis zu 2,60 Meter Länge.

Fair gepreist: Der E-Transit Courier ist sein Geld wert

In Summe also ein praktisches Package, das die Ford Pro-Leute, ohnehin verkaufsseitig auf der Überholspur, da geschnürt haben, wobei man die 7.000 Euro Aufpreis zum Diesel in Trend-Ausstattung nicht verschweigen sollte, bei 29.000 Euro startet der BEV, inklusive acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie auf E-Antrieb und Akku. Allerdings fährt man die dank günstigerer Energie- und Betriebskosten über die angenommene Lebensspanne wieder herein, so das Versprechen des Herstellers. Um 35 Prozent sollen die Wartungskosten zum Diesel niedriger liegen. 

Eine Modellrechnung für einen deutschen Kunden rechnet 1.300 Euro jährlicher Ersparnis vor, wenn man 120 Kilometer am Tag fährt und einen Business-Strom-Tarif hat. Jede Wette, dass der E-Courier dem E-Kangoo und E-Berlingo das Revier streitig machen wird. Und dem großen Bruder Transit Connect PHEV sowieso: Denn den gibt es wie den technischen Genspender VW Caddy nur als Plug-in-Hybriden. Wenn schon denn schon. Für viele Kunden, kleine und mittlere Unternehmen, dürfte nach Prognose von Ford der Courier ihr erster BEV sein. Und gleich ein guter.