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Lancia: Markteinführung in Deutschland lässt auf sich warten

Erste Testfahrten gab es für ausgewählte Influencer und Medien schon im Frühjahr 2024 – und eigentlich wollte man „im Frühjahr 2025“ auch in Deutschland starten. Doch jetzt wurde die „Wiedereinführung“ von Lancia scheinbar auf „hold“ gesetzt.

 

Dem Ypsilon folgt der Gamma - in Deutschland wartet Lancia allerdings weiter auf den Marktstart. | Foto: Lancia

Nicht nur Markenfans haben auf die Wiederkehr Lancias gewartet. In einigen Märkten hat die bereits stattgefunden und auf der Stellantis-Markenseite wird auch fleißig dokumentiert, woran Lancia teilnimmt und auf welchen Märkten man präsent ist. Und wie das Heck des kommenden „Gamma“ aussieht.

Aber in Deutschland hört man nichts mehr von der Marke. Nachfrage bei der Pressestelle, wo man erklärt, dass man die Lancia-Kommunikation in Deutschland aktuell „bewusst etwas stiller“ halte. Sprich, die Markteinführung zurückgestellt hat, was sich offiziell so liest:

„Lancia bleibt seiner Expansionsstrategie verpflichtet, einschließlich eines möglichen Einstiegs in den deutschen Markt. Nach sorgfältiger Prüfung mit unserem neuen Management-Team haben wir beschlossen, den Zeitpunkt dieses Markteintritts zu optimieren, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen. In der Zwischenzeit liegt unser Fokus darauf, unsere Präsenz in bestehenden Märkten zu stärken und eine solide Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen. Das Interesse an Lancia ist größer denn je – sowohl seitens der Kunden als auch der Händler. Diese strategische Entscheidung ermöglicht es uns, den deutschen Markt zum optimalen Zeitpunkt zu betreten und das Potenzial der Marke maximal auszuschöpfen.“

Kurz gesagt: Lancia verschiebt sich weiter und ein neues Datum kann man in der aktuellen Situation nicht nennen. Es wird „auf Basis der sich ändernden Marktlage entschieden“.

In Italien konkurriert der neue Y mit sehr vielen vergleichbaren Modellen und wurde teurer - das hat Folgen 

Und die ist im Kernmarkt Italien schlecht: Motor 1 hat nachrecherchiert und die Lancia-Verkaufszahlen von Dataforce herangezogen, zitiert von Automotive News Europe: Lancia verkaufte demnach im Januar und Februar in Italien 2.195 Autos, weniger als die 8.086 Einheiten, die in den ersten beiden Monaten des Jahres 2024 registriert wurden. Das entspricht einem Rückgang der Nachfrage um 72,85 Prozent! Wobei man anmerken muss: Italien ist ein sehr preissensibler Markt: Die Preise für das Hybridmodell beginnen in Italien jetzt bei 19.900 Euro und steigen auf üppige 29.900 Euro für die vollelektrische Version. Der Vorgänger startete immer deutlich unter der 20.000-Euro-Marke. Kein Wunder, dass die Verkäufe des bis dato sehr beliebten Ypsilon in Italien deutlich zurückgehen. 

Und: Der neue Y steht jetzt auf der Basis der sehr ähnlich Opel Corsa und Peugeot 208 und konkurriert jetzt auch mit Dacia Sandero, Renault Clio, VW Polo und Co. Trotzdem wollte Lancia bis Ende 2024 wenigstens 70 neue Ausstellungsräume in 70 Städten in ganz Europa eröffnen. Frankreich, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Niederlande sind die Vorreiter, Deutschland sollte 2025 folgen.

Alle Marken sollen bis 2026 durchfinanziert sein, aber dann?

Die Zeit drängt: Zwar erklärte Ex-CEO Tavares wenige Wochen vor seinem Rücktritt, dass alle 14 Konzernmarken bis 2026 voll durchfinanziert seien. Lancia hätte also noch etwas Zeit, um die Wende zu schaffen. Da jedoch in der ersten Jahreshälfte ein finaler Nachfolger für Tavares bekannt gegeben werden soll, ist unklar, was die Zukunft bringt. Da kann man nur hoffen, dass die Pläne vom nächsten Stellantis-CEO nicht komplett vom Tisch gefegt werden – und mit Lancia auch gleich DS Automobiles, Maserati und Alfa Romeo veräußert oder eingestellt werden. Auch diese Drohungen drangen durch den Buschfunk schon durch. Ebenso, wie die US-Kollegen dem ausgeschiedenen CEO Tavares vorwarfen, den US-Markt nie verstanden zu haben. Denn außer Jeep und Ram hat man auch mit Dodge und vor allem Chrysler zusätzliche offene Baustellen.

Was bedeutet das?

Viele Marken, viele Entscheidungen: Eigentlich forderte Ex-CEO Tavares von jeder Marke einen Zahn-Jahres-Plan. Der für Lancia durchaus logisch und nachvollziehbar aussah und perspektivisch zumindest kleine sechsstellige Jahresstückzahlen hätte bringen können. Aber: der neue Y fährt eine ganze Ebene über seinem kompakteren und günstigeren Vorgänger und tut sich deshalb auch bei der italienischen Kernzielgruppe nicht mehr ganz so leicht wie dieser.

Quellen: Lancia Pressestelle, ACEA, Motor 1