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VM-Report VePa: Parken, laden, Platz sparen im Turm

Auf ein breites Spektrum an Anwendungen von Kommunen bis Wohnanlagen peilt ein Start-up der UnternehmerTUM aus München. Im Werksviertel wird künftig geparkt, geladen und Platz gespart.

Schlauer Tower: Im VePa-Turm am Werksviertel lässt sich ab Mai parken und laden in einem. | Foto: J. Reichel

Mit VePa - Vertical Parking - geht ein weiteres im wahrsten Sinne des Wortes "hochspannendes" Start-up aus dem Firmeninkubator der TU München namens UnternehmerTUM hervor. Nach vier Jahren Enwicklung von der Pike auf und in kompletter Eigenleistung haben die Gründer David Schön und Simon Schubnell einen Parktower auf die "Füße" gestellt, der den "gordischen Knoten" in urbanen Räumen durchschlagen helfen soll. Schließlich ist nicht nur Raum generell knapp, sondern auch Parkplätze und Ladesäulen. Diese Probleme will der Turm, dem Vernehmen nach der "erste öffentliche Parktower mit integrierter Ladeinfrastruktur in Europa, auf "einen Streich" lösen. Man habe die Firma mit der Vision gegründet, durch die Nutzung vertikalen Raums Mobilitätsinfrastruktur neu zu gestalten und dabei auch den Anforderungen von Klimaschutz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden, erklären die Jungunternehmer.

"Durch vertikale Parktürme und integrierte Ladeinfrastruktur schafft VePa nachhaltige, flexible und effiziente Stellplatzlösungen, die wegweisend für die Städte der Zukunft sind und den steigenden Bedarf an urbaner Mobilität mit dem Wunsch nach mehr Wohn- und Freiraum vereinen", so die Selbstaussage.

Dass auch andere auf diese Idee gekommen sind, wie etwa E-Parktower aus Haltern seit 2022 oder We Tower aus Berlin vor kurzem, ficht sie nicht an. Einige Patente versammeln die Gründer in ihrem eigenentwickelten, mit 43 Lieferanten konstruierten Werk, das passenderweise im Werksviertel Mitte entstanden ist. Nach der reinen Parkpremiere in Freising soll hier jetzt die nächste Stufe erprobt werden: Parken und Laden.

„Wir begrüßen alles, was Flächen spart und in die Mobilitätsstrategie der Stadt München passt. VePa ist hier ein hervorragendes Beispiel, das wir mit großem Interesse begleiten", erklärte Martin Schreiner, Leiter Mobilitätsstrategie der Stadt München bei der Eröffnung vor 200 Gästen. 

Pater-Noster-Prinzip inside

Kernelement ist eine Pater-Noster-Konstruktion, ein Karussel im Inneren, das pro "Gondel", wie Schön es nennt, 2,7 Tonnen Gewicht verträgt und auf der Hälfte der zwölf Plätze mit Keba-Wallboxen ausgestattet ist. Mit 11 kW kann man hier also seinen Stromer befüllen, was prompt schon ein Tesla-Fahrer ausprobieren will. Aber offiziell wird erst im Mai eröffnet, vertrösten die Verantwortlichen, die sich über die Neugierde sichtlich freuen. Die Leitungen sind raffiniert mit Schienen verlegt, perspektivisch ließe sich auch HPC-Laden bis 50 kW machen. Oder gar induktives Laden, was bei diesem Konzept nahe liegt.

Auch über die Potenziale des Turms als V2G-Energiespeicher, wenn etwa "Full House" mit zwölf E-Autos herrscht, macht man sich Gedanken - im wahrsten Sinne ein "Power-Tower". Statt der aktuell zwölf Meter sind perspektivisch auch bis zu 16 Meter darstellbar, wenn das Umfeld das erlaubt, mit entsprechend mehr Gondelplätzen. Die Fläche von nur 49 Quadratmeter bleibt gleich, das entspricht gerade mal drei bis vier Normstellplätzen.

Manufaktur: Alle Komponenten selbst entwickelt

Noch ist das ganze Konstrukt eine Manufaktur, die etwa 40.000 Euro pro Stellplatz teuer kommt. Aber die Kosten sollen mit drastisch sinken, wenn die Technik erst einmal skaliert ist. Dank starker Partner wie Andreas Adldinger oder dem Münchner Immobilienunternehmer Hans Hammer soll das gelingen.

„Unser gemeinsames Ziel ist es den ruhenden Verkehr effizienter zu gestalten und den urbanen Raum neu denken", erklärten die Projektinvestoren Hammer und Adldinger.

Der Lebenszyklus des Turms liegt laut CTO bei 20 bis 25 Jahren, sodass es auch vorstellbar ist, den Turm an einem Ort temporär zu nutzen, wieder abzubauen und andernorts wieder zu errichten. In drei Monaten ist der Aufbau über die Bühne, inklusive Brandschutzkonzept, das aber keine sonderlich exotischen Anforderungen stellt. Schließlich ist die Fassade offen, soll aber dennoch volle Funktionalität bis Minus 20 Grad sicherstellen. Schaltschränke und Bedieneinheiten sind natürlich isoliert.

Kunst am Turm: Gestaltungswettbewerb

Apropos Fassade: Die ist natürlich je nach Situation anpassbar und gestaltbar. Im Werksviertel, das sehr künstlerisch inspiriert ist, lag es also nahe, einen Wettbewerb zu veranstalten - und der beste Entwurf für die Fassadengestaltung der Künstlerin Mariella Kerscher machte schließlich das Rennen. Er fügt den Turm optisch nahtlos in die bunte Atmosphäre des Viertels ein. Neben Holz will man auch Lochblechhüllen umsetzen und zudem eine Begrünung integrieren, sodass der Turm neben der Wiederverwertbarkeit weitere ökologische Aspekte bekommt.

Im Prinzip peilt man auf ein breites Spektrum an Anwendungen: Denn natürlich spart der Turm einem Bauunternehmen oder der öffentlichen Hand teuren Tiefbau und Tiefgaragen. Das sei sowieso nicht überall möglich, wie Schön skizziert. So könnte das Vertical Parking unter Umständen auch eine Alternative für Quartiersgaragen sein oder in Neubauarealen gleich mitgeplant werden. Wobei die Anwendung beim Auto nicht aufhört: Interesse wurde auch schon bekundet, den Tower für Fahrradparkter zu nutzen, denkbar etwa im Umfeld des Hauptbahnhofs München, der an katastrophalem Radparkermangel leidet.

Schon jetzt intuitiv bedienbar

Die Bedienung selbst ist denkbar einfach: An der Einfahrtsäule wählt man aus, ob man nur parken oder auch laden will, das Kennzeichen wird per Kamera erfasse und man registriert sich am Bedienterminal oder per QR-Code in der App ebenfalls mit seinem Kennzeichen. Dann kommt die passende Gondel angeschwebt, das Tor öffnet sich, man schließt sein E-Auto an und verlässt das Parkhaus. Am Ende muss man bisher noch an einem nebenstehenden Parkautomaten bezahlen. Das sind aber gewohnte Prozesse, die künftig noch stärker digitalisiert werden könnten.

Betreiber am Münchner Standort in ChargePoint, man bezieht den Strom also über seinen gewohnten Partner und mit seiner Lade-App oder Ladekarte. Hier gibt es keinen großen Unterschied zu einem "stationären Lader" am Straßenrand.

Im Werksviertel will man nun weitere Erfahrungen in Sachen Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit sammeln, bevor es in die weitere Skalierung und etwaige Industrialisierung mit Maschinen- und Metallbaufirmen gehen könnte. Eine zweite Park- & Charge-Anlage ist bereits genehmigt in Berlin-Mitte am Hackeschen Markt, in NRW gibt es erste Pläne zur Integration in Neubauprojekte. Und so kann man davon ausgehen, dass der "Park-Turmbau zu München" erstens weiter wächst und zweitens stabil steht.