Frachtsegler: Timbercoast transportiert CO2-frei über den Atlantik
Am 15. August 2025 startet in Bremerhaven ein logistisches Projekt mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit: Der Frachtsegler Avontuur übernimmt im Fischereihafen technische Komponenten für eine Produktionsanlage auf den Kapverdischen Inseln. Wie das norddeutsche Unternehmen Aquamondis mitteilt, erfolgt der Transport im Rahmen der maritimen Veranstaltung Sail Bremerhaven 2025. Das traditionelle Segelschiff „Avontuur“, das den kommerziellen Frachttransport ohne fossile Energieträger ermöglicht, stellt die Reederei Timbercoast zur Verfügung.
Klimaneutraler Seetransport als Teil eines Gesamtkonzepts
Der Einsatz eines Frachtseglers ist einen integralen Bestandteil des Produktions- und Logistikkonzepts von Aquamondis. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der gesamte Lebenszyklus der geplanten Spirulina-Anlage auf den Kapverden CO2-neutral ablaufen – von der Energieversorgung über die Nährstoffkreisläufe bis hin zum maritimen Transport. Durch den Verzicht auf konventionelle Schiffe und fossile Brennstoffe im Seeverkehr will das Unternehmen Transportemissionen vollständig vermeiden. Der Transport per Segelschiff markiert damit den ersten Baustein in einem ganzheitlich nachhaltigen Produktionsansatz.
Frachtgut: Spurenelemente und Prozesschemikalien
Die Ladung der Avontuur besteht aus Spurenelementen und Natriumhydrogencarbonat. Beide Stoffe werden zur Vorbereitung des Algenkultivierungsprozesses benötigt. Insbesondere dient das Natriumhydrogencarbonat dazu, den pH-Wert des Produktionsmediums auf 11 anzuheben, um optimale Bedingungen für die Mikroalge Spirulina zu schaffen und konkurrierende Algenarten auszuschließen. Die Verladung ist für den Vormittag des 15. August 2025 geplant, die e Ankunft des Schiffes auf den Kapverdischen Inseln ist für Ende Oktober avisiert.
Produktionsanlage auf den Kapverdischen Inseln
Die geplante Anlage zur Kultivierung von Spirulina entsteht unter klimatisch günstigen Bedingungen auf den Kapverden. Aquamondis zufolge ermöglicht der Standort eine ganzjährige Ernte, was zu einem vierfach höheren Ertrag im Vergleich zu deutschen Anlagen führen soll. In der ersten Ausbaustufe entsteht eine Gewächshausfläche von 5.400 Quadratmetern. Die gesamte Produktion basiert auf digitalisierten Prozessen, gesteuert durch KI-gestützte Regelalgorithmen. Der Produktionsstart ist rund acht Monate nach Baubeginn vorgesehen. Eine erste Ernte kann etwa 20 Tage nach Inbetriebnahme erfolgen.
Zielprodukt: Natürlicher Lebensmittelfarbstoff
Das Unternehmen plant, aus der geernteten Mikroalge den blauen Farbstoff Phycocyanin zu extrahieren. Dieser wird in der Lebensmittelindustrie unter anderem zur Färbung von Getränken und Süßwaren verwendet. Aquamondis verweist auf eine zu erwartende Nachfragesteigerung, da sowohl in der Europäischen Union als auch in den Vereinigten Staaten regulatorische Einschränkungen für künstliche Farbstoffe bevorstehen.
Finanzierung durch digitale Beteiligung
Begleitend zur Projektumsetzung hat Aquamondis eine Crowdinvesting-Kampagne über die Online-Plattform fundernation.eu gestartet. Ziel ist laut Unternehmensangaben die Beteiligung privater Investoren an der nachhaltigen Entwicklung des Projekts.
Bedeutung für Logistik und Güterverkehr
Mit dem Einsatz eines Segelschiffs zur Beförderung industrieller Produktionsmittel setzt das Projekt ein Signal für alternative Transportlösungen im Güterverkehr. Während der Haupttransport CO2-frei über See erfolgt, dürfte die Verteilung der Materialien innerhalb Europas sowie die spätere Weiterverarbeitung und Distribution der Farbstoffprodukte auch konventionelle Straßentransporte einschließen. Für Akteure im Straßengüterverkehr stellt das Projekt daher einen relevanten Anwendungsfall für multimodale und nachhaltige Logistikkonzepte dar.