Logistikbranche 1. Halbjahr 2025: Insolvenzen deutlich gesunken – Rettungsquote bleibt unter Branchendurchschnitt
Die Zahl der Insolvenzen in der deutschen Logistikbranche ist im ersten Halbjahr 2025 deutlich zurückgegangen. Laut einer aktuellen Auswertung des Beratungshauses Falkensteg meldeten lediglich drei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro Insolvenz an. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (acht Insolvenzen) entspricht dies einem Rückgang von 62,5 Prozent. Ein derart niedriges Niveau war zuletzt im ersten Halbjahr 2019 zu verzeichnen.
Nachfrage- und Kosteneffekte stabilisieren kurzfristig
Als Hauptgründe für die vorübergehende Entspannung nennt Falkensteg die stabilisierte Nachfrage nach lebensnotwendigen und Konsumgütern, gesunkene Konsumentenpreise sowie eine rückläufige Inflationsrate. Zudem wirkten sich niedrigere Energiekosten positiv auf die Transportpreise aus, auch wenn diese nach wie vor als zu niedrig gelten. Die Situation wird von Experten jedoch als nur temporär bewertet.
Prognose: Wieder mehr Insolvenzen in der zweiten Jahreshälfte
Für das zweite Halbjahr 2025 erwartet Falkensteg einen erneuten Anstieg der Insolvenzen in der Logistikbranche. Strukturelle Belastungen wie hohe Fixkosten, steigende Personalausgaben und die anhaltende Stagnation im Marktumfeld bestehen fort. Eine grundlegende Trendumkehr wird ohne tiefgreifende Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht prognostiziert.
Rettungsquote in der Logistik deutlich unter Branchenschnitt
Trotz des Rückgangs der Insolvenzanträge bleibt die Rettungsquote – also der Anteil erfolgreich sanierter Unternehmen – in der Logistik auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Jahr 2024 lag sie bei lediglich 16,7 Prozent. Von 18 insolventen Transportunternehmen konnte nur bei drei Fällen eine Unternehmensfortführung durch Verkauf erreicht werden. Im Vorjahr lag die Quote bei null Prozent.
Zum Vergleich: Branchenübergreifend lag die Rettungsquote 2024 bei 33,2 Prozent (2023: 34,9 Prozent). Damit bleibt die Logistik deutlich unter dem Durchschnitt aller Branchen.
Ursachen: Geringe Sanierungschancen und strukturelle Hürden
Die Analyse nennt mehrere Gründe für die niedrige Sanierungsquote in der Logistikbranche. Dazu zählen ein allgemein geringes Investoreninteresse infolge niedriger Gewinnmargen, lange Zahlungsziele und kurze Vertragslaufzeiten. Verkehr und Lagerei sind zudem doppelt so stark von Zahlungsausfällen betroffen wie der Branchendurchschnitt.
Hohe Fix- und Betriebskosten schränken den finanziellen Spielraum bei Umsatzeinbußen stark ein. Sanierungsversuche konzentrieren sich häufig auf kurzfristige Kostensenkungen, während strukturelle Transformationsmaßnahmen ausbleiben. Auch externe Investoren schrecken vor einem Einstieg zurück: Die starke Abhängigkeit vom volatilen Transportmarkt, hohe Infrastrukturkosten, regulatorische Vorgaben und der chronische Fachkräftemangel gelten als zusätzliche Hemmnisse. (va)