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VM-Fahrbericht Lexus RZ 550e F Sport: Steer by wire - jetzt in Serie!

Bei Lexus hält man die Zukunft buchstäblich in den Händen: Anfang 2026 kommt er mit „Steer by wire“ – ohne Lenksäule. Ist das ein großer Wurf oder technische Spielerei?

Mit der Überarbeitung hielt beim RZ auch "Steer by wire" Einzug. | Foto: Lexus

Auf deutschen Straßen war er bisher kaum sichtbar – und schon wird er analog zum Toyota bZ4X, auf dem er basiert, überarbeitet: Der Elektro-Crossover RZ, der ab Anfang mit der angekündigten Steer by Wire-Lenkung auf den Markt kommt. Weitere Hersteller werden folgen. Wir fragen: Ist das ein Gewinn an Präzision oder nur eine technische Machtdemo?

Technisch wird jetzt aufgerüstet und geliefert

Fakt ist: Optisch hat sich beim schon überarbeiteten Lexus RZ nicht allzu viel getan – liegt seine Präsentation gerade zwei Jahre zurück. Doch bei der Technik sieht es ganz anders aus, hier liefert man, was einst angekündigt wurde: Neben Steer-by-Wire auch ein ungewöhnliches Getriebe, das Verbrenner-Fans locken soll.

Die F-Sport-Version verfügt über zusätzliche Lufteinlässe im unteren Bereich des vorderen Stoßfängers mit einem Lamellenprofil zur Verbesserung der Stabilität, während der Diffusor am Heck nebst Spoiler und 20-Zöller für Sportlichkeit sorgen soll. In Europa wird der elektrische Mittelklasse-SUV in drei Versionen angeboten. Neben dem Basismodell des Lexus RZ 350e (167 kW/227 PS mit Frontantrieb – sehr nah am Toyo) dürften sich insbesondere die stärkeren Allradler Chancen bei den Premiumkunden ausrechnen.

Typisch Toyota: Wenn man etwas überarbeitet, dann umfassend mit Liebe zum Detail

Während der Lexus RZ 500e 280 kW / 381 PS leistet, packt die neue Sportversion des RZ 550e F Sport mit 300 kW / 408 PS nochmals ein paar Kilowatt dazu. Die angegebenen Reichweiten stiegen im Vergleich zum Vorgänger durch mehr Akkuzellen, effizientere E-Maschinen / Wechselrichter und Dank einer Gesamtkapazität von 77 kWh je nach Antrieb auf 568, 500 und 450 Kilometer. Die Kunden werden zu schätzen wissen, dass der Elektro-Lexus nunmehr an einer Wallbox mit bis zu 22 Kilowatt nachtanken kann. Enttäuschend bleibt jedoch die Schnellladefunktion mit gerade einmal 150 kW. In Sachen HPC-Laden und Akkugröße bleibt Lexus also eher dezent.

Im Innenraum herrscht im 4,80 Meter langen RZ das typische Lexus-Ambiente mit nüchternen Farben, 14-Zoll-Display, bequemen Sitze mit gutem Seitenhalt und einem Head-up-Display, so dass der Fahrer kaum den Blick von der Straße abwenden muss. Die Instrumentierung ist für die Premiumklasse sehr schlicht, grafisch nicht modern und mit zu kleinen, schwer erkennbaren Zeichen bestückt. Hier weigert sich Japan hartnäckig, moderner zu programmieren, warum nur?

Beim Wechsel der Fahrmodi gibt es einen leichten Farbwechsel und das Tastenbediensystem am Lenkrad ist alles andere als intuitiv. Ansonsten bietet der Lexus im Innern Soft-Touch-Oberflächen, sichtbare Schraubenköpfe am Lenkrad und keine ausgekleideten Türtaschen - Premium wäre wirklich anders.

Innovatives Heizsystem, aber das kostet Stauraum

Aufgrund der elektrischen Heizung fehlt ein Handschuhfach und so ist die einzig geschlossene Ablage zwischen den Vordersitzen von Bedienungsanleitung, Warnweste und Fahrzeugpapieren belegt. Besser sieht es mit dem Platzangebot aus und wenn es sein muss, können im Fond durch den ebenen Boden sogar bis zu drei Personen sitzen. Das Ladevolumen entspricht mit 522 bis 1.451 Litern ungefähr dem von Wettbewerber wie Audi Q4 Etron oder BMW iX3.

Die Lenkung wurde gegenüber der Urversion nochmal nachgeschärft

Lexus hatte die Einführung von Steer-by-Wire bereits vor zwei Jahren geplant, aber „es war notwendig, die Bedienung zu verbessern und das Ansprechverhalten weniger direkt zu gestalten“, wie Chefingenieur Yasuyuki Terama erklärt. Einst benötigte man 150 Grad, um das Lenkrad im Raumschiff-Design von der Mittellage komplett zu drehen oder 300 Grad, um von einer Seite zur anderen zu gelangen. Jetzt wurde es auf 200 und 400 Grad umprogrammiert. Bedeutet für den gleichen Drehbereich etwas mehr als eine halbe bzw. 1,2 Umdrehungen, während die normale Lenkradübersetzung 2 bis 3,5 vollständige Umdrehungen beträgt, um von einem Stopp zum anderen zu gelangen. Vereinfacht ausgedrückt, gibt es bei Steer-by-Wire im Gegensatz zu einer herkömmlichen Lenkung, bei der eine Stange das Lenkrad mit der Zahnstange verbindet, im Lexus RZ zwei elektronische Steuereinheiten - eine hinter dem Lenkrad und die andere auf der Zahnstange - die miteinander kommunizieren, um die Drehung des Lenkrads ohne physische Verbindung zu den Rädern zu übertragen.

Im Alltag braucht man Zeit zur Eingewöhnung

Dadurch entfallen störende Vibrationen, die von den Rädern auf das Lenkrad übertragen werden und die Hände des Fahrers müssen das Steuer selbst in engen Kehren nicht verlassen. Es bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit, um zu vermeiden, dass man übersteuert und damit einen Bordstein überfährt oder auf der Innenseite einer Kurve einen Gegenstand trifft. Doch man gewöhnt sich an das rein elektrische System überraschend schnell und gerade in einem sportlichen Elektro-Crossover wie dem RZ 550e gefällt die direkte Steuerung.

Abgesehen von der ungewöhnlichen Steuereinheit weiß der sportliche Lexus jedoch auch sonst überzeugen, obwohl 180 km/h Spitzentempo für ein solches Topmodell mit über 400 PS für Deutschland zu wenig sind. Insbesondere der stärkere Elektromotor an der Hinterachse macht sich positiv bemerkbar, weil der Lexus seine Leistung souveräner auf die Fahrbahn bringt als vorher mit gerade einmal 80 kW / 109 PS an der Hinterachse. Die Federung ist unaufgeregt und der Fahrkomfort geht allemal in Ordnung, doch nicht nur wegen der 20-Zöller sollte sich komfortbewusste Fahrer eher für den RZ 500e entscheiden.

Die „M-Taste“ simuliert eine Achtgang-Box

Neben der Lenkung bietet der rund 60.000 Euro teure Lexus RZ 550e eine weitere Innovation, die direkten Einfluss auf das sportliche Fahrverhalten hat. Das so genannte manuelle interaktive Fahren durch Drücken einer „M“-Taste zwischen den Vordersitzen sorgt für ein Erlebnis, das dem eines Verbrenners in Verbindung mit einem Achtgang-Getriebe ähnelt. Gasannahme, synthetischer Sound, Beschleunigung und ein Display, das die virtuelle Motordrehzahl anzeigt, sorgen für ein Fahrgefühl, das dem eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor näherkommt und auf dem Markt einzigartig ist. Womit Lexus neben der Lenkung noch eine weitere Innovation mitliefert und seinen technischen Anspruch auch akustisch demonstriert.

Was bedeutet das?

Der Lexus RZ wurde mit er Überarbeitung vor allem reichweitenstärker und bietet jetzt die Gadgets, die man 2023 ankündigte. Sie demonstrieren Kompetenz, wirklich brauchen tut man sie nicht. Weshalb der RZ weiter selten auf deutschen Straßen bleiben dürfte.

Den Lexus RZ fuhr für uns Joaquim Oliveira von press-inform

 

Technische Daten: Lexus RZ 550e

Motor: per. erregte E-Maschinen; vorn / hinten


Leistung: 300 kW / 408 PS


Max. Drehmoment: 536 Nm


Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h


Beschleunigung 0 – 100 km/h: 4,4 Sekunden


Verbrauch 8WLTP): 18,4 kWh / 100 km


Leergewicht: ab 2.215 kg


Kofferraumvolumen: 522 – 1.451 Liter


Max. Ladegeschwindigkeit: 22 / 150 kW


Preis: ab ca. 60.000 Euro