LKW

Conference Days 2025: Mit BPW-Trailer-Achsen und Idem Telematics gegen Fahrzeugausfälle

Das wichtige Thema, wie Fuhrparkmanager ihre Trailer betriebsbereit halten und kostspielige Ausfälle vermeiden, beleuchtete Achshersteller BPW mit Softwareanbieter Idem-Telematics anhand des innovativen BPW-Trailerfahrwerks iC Plus – und einer Nachrüstlösung für Bestandsfahrzeuge.

Das Luftdruckregelsystem AirSave von BPW gehört zu den Grundpfeilern der Traileroptimierung. | Screenshot: Huss-Verlag.

Transportfahrzeugflotten sind auf stetige Einsatzbereitschaft angewiesen, wenn sie wirtschaftlich arbeiten wollen. Achs- und Fahrwerkhersteller BPW weiß, wie sich unvorhergesehene Schäden und Stillstandszeiten vermeiden lassen. Zum Beispiel mit dem Trailerfahrwerk iC Plus in Kombination mit der Softwarelösung von Tochterunternehmen Idem Telematics. Auf den diesjährigen Conference Days wurde auch die Nachrüstlösung iC Plus Retrofit vorgestellt.

Wie kommt es zu Trailer Stillstandszeiten?

„Im Transportwesen gibt es eigentlich nichts teureres als ein Fahrzeug, das in der Werkstatt steht, am Straßenrand liegenbleibt, Bußgelder wegen mangelnder Wartung kassiert oder im schlimmsten Fall einen Unfall verursacht“,

leitete BPW-Produktmanagerin Caren Freudenberg ihre Präsentation ein. Die Gründe lassen sich an mehreren Faktoren festmachen wie mangelndem Luftdruck in den auch durch unterschiedliche Ladegewichte und Straßenzustände stark beanspruchten Trailer-Reifen. Der Druckunterschied beschleunigt den Reifenverschleiß und kann gegebenenfalls zum Verkehrsrisiko werden. Jedenfalls stellten Reifenpannen mit zwei Dritteln den häufigsten Ausfallgrund dar, so Freudenberg.

Auch nachlassende Bremsleistung kann den Betrieb der Fahrzeuge bis zum Stillstand beeinträchtigen. Und schließlich halten auch die vorgeschriebenen Wartungszyklen und Kontrollen den Betrieb von Fahrzeugen auf.

Einsparpotenziale

Gegenmaßnahmen sieht die Fahrwerkexpertin in einer gezielten Wartungsplanung, was sich zunehmend mit intelligenten Algorithmen bewerkstelligen lässt. BPW zum Beispiel kann auf diese Weise bereits recht genau den Zustand von Trailern erfassen, Warnungen ausgeben und im Vorfeld Wartungsmaßnahmen einleiten, auch genannt Predictive Maintenance.

Freudenberg erläuterte die Lösungen anhand von bestimmten Funktionen für die neueste, 2023 erstmals vorgestellte "digitale" Achse iC Plus. Zum Beispiel zeigt die Lösung Brake Performance Monitor den Bremszustand anhand von den mit der Achse erfassten Daten an. So kann die Bremse durch stetige Überwachung gegebenenfalls gezielt optimiert werden. Dies funktioniert über integrierte Sensoren, die den Verschleiß der Bremspads überwachen.

Auch die Achslastanzeige liefert umfassende Daten: diesmal über die Beladung. Die Werte werden dann im Telematiksystem von Idem Telematics angezeigt. Durch die Überwachung wird sichergestellt, dass keine Überlastung besteht. Und die Überwachung reicht noch weiter: so kann fast in Echtzeit festgestellt werden, wann das Fahrzeug be- und entladen wurde. Unter welchen Bedingungen eine Warnung ausgegeben werden soll, lässt sich individuell konfigurieren.

Einer der Hauptpunkte jedoch stellt immer noch die seit Juli 2024 nach UN ECE R 141 für neue Nutzfahrzeuge gesetzlich vorgeschriebene Reifendruckkontrolle dar. Die iC Plus-Fahrwerksgeneration nun kann nicht nur mit dem Reifendruckkontrollsystem (RDKS beziehungsweise englisch TPMS; Tire Pressure Monitoring System) ausgestattet werden, sondern auch mit einem Reifendruckregelsystem (RDRS beziehungsweise englisch TPRS; Tire Pressure Regulating System), das den Druck stets im optimalen Bereich hält. BPW nennt dieses Luftdruckregelsystem AirSave.

Wichtig: RDKS-System

Hier zeige sich der Vorteil des iC Plus-Fahrwerks: Normalerweise muss das vorgeschriebene Luftdruckkontrollsystem RDKS beziehungsweise TPMS mit einem zusätzlichen Gerät an das EBS (Elektronisches Bremssystem) angeschlossen werden. Mit iC Plus entfällt diese Zusatzkomponente, da hierfür die TPMS- oder als Komfortsystem auch die AirSave-Sensoren verwendet werden können. Die Sensorik vernetzt sich mit der Telematik, so dass die Fuhrparkmanager über die Cargofleet-Telematikplattform die Daten jederzeit im Blick behalten.

BPW wirbt mit der deutlichen Kraftstoffersparnis und geringerem Reifenverschleiß für sein AirSave System und verspricht eine Ersparnis von bis zu 890 Euro sowie 655 Kilogramm CO2 im Jahr.

Ergänzend hat BPW einen digitalen Wartungskalender für das Cargofleet Portal entwickelt, der den Managern die Planung der Werkstattaufenthalte erleichtern soll und zum Beispiel auch die Wartungshistorie enthält.

Lieferumfang iC Plus

Die Standard-BPW-Achse mit ihrem regulären 9 t-Aggregat und wahlweise ECO Air oder Airlight II-Federung sowie Scheiben- oder Trommelbremse wird durch bestimmte Funktionsergänzungen in eine iC Plus-Achse umgewandelt. Zum Beispiel durch Beigabe eines für beide Bremsarten verfügbaren Bremsbelag-Verschleißsensors. Das Paket an Komponenten, die die Achse zur iC Plus-Komponente aufwerten, gehört auch ein Anschluss für alle gängigen EBS. Im Paket dabei ist auch die Telematik-Grundausstattung für Lkw und Fahrzeugflotten in der Basic- oder Pro-Version: der sogenannte TC Trailer Gateway ermöglicht den Einstieg in die Telematik und bietet ein modulares, flexibel erweiterbares Baukastensystem an Datenerfassungslösungen. Auch der Zugang zum Cargofleet 3 Portal gehört dazu. Optional kann das TPMS oder TPRS (AirSave) zugebucht werden.

Cargofleet-Telematikportal: Intelligente Wartung

Die Telematik-Plattform, über die die erfassten Daten sich einsehen und auswerten lassen, stellte Experte Heiko Boch vor, Leiter Produktmanagement bei Idem Telematics.

Das Endgerät ist hier, wie auch schon vom Lkw bekannt, im Trailer verbaut und erfasst die Fahrzeugdaten. Das Fahrzeug wird über GPS lokalisiert. Alle Informationen werden über das klassische Mobilfunksystem in der Zentrale erfasst, wo die Zustände über Cargofleet ausgewertet und übersichtlich dargestellt werden können. So haben die Spediteure alle Daten über den Fahrzeugzustand sowie den Standort der Trailer jederzeit im Blick. „Mit der Trailer-Telematik haben wir eine durchgehende Überwachung“, so Boch.

Nutzen lässt sich das Cargofleet-Portal dann zum Beispiel auch zu individuellen Alarm-Ausgaben – hierbei kann unter anderem auch eingestellt werden, wer unter welchen Umständen (zum Beispiel Temperaturüberschreitung) auf welchem Weg (E-Mail, SMS etc.) informiert wird. Auch werden nach verschiedenen Parametern Reports erstellt. Ebenso lassen sich auch die Wartungsinformationen zur individuellen Planung einbeziehen. Boch:

„Nach durchgeführter Wartung kann das Ergebnis dokumentiert werden, so dass sich der Kreis schließt: der Wartungszyklus beginnt erneut und ich habe eine durchgehende Dokumentation meiner Wartungen am Fahrzeug.“

Dabei ist laut Boch die Anwendung durch offene Schnittstellen auch markenübergreifend nutzbar. „Wir binden andere Systeme ein“. Unabhängig von den Fahrzeugtypen – Trailer, Trucks oder andere – sind die Systeme integrierbar und können umgekehrt auch die Trailer-Telematics-Daten in andere Systeme eingespielt werden. „Da haben wir keine Berührungsängste mit Wettbewerbern“. Die Frage sei nur, was das jeweilige System dann aus den übernommenen Daten in der Lage sei auszuwerten. Die Nutzung könnte sich zum Beispiel beim Performance Monitor schwierig gestalten, aber eine klassische Ortung zum Beispiel sei sicher möglich.

Es existieren Schnittstellen In- wie Outbound zu den Herstellern im Nfz-Bereich, bestätigt Bloch: Wir bieten die Integration von Truck-Systemen der Hersteller an. So können auch Zugkombinationen von Truck und Trailer zusammen dargestellt werden. „Genauso können wir auch Telematikdaten der Trailerhersteller integrieren und  auch an diese Systeme Daten abgeben“. 

Nachrüstsystem iC Plus Retro-Fit

Nicht nur für neu ausgestattete Trailer, auch für bestehende Nutzfahrzeuge bietet BPW eine iC Plus-Lösung namens iC Plus Retro-Fit, damit die Fuhrparkmanager für ihre bestehenden Fahrzeuge von allen Vorteilen profitieren und die Lösung in der Flotte testen können. Die Nachrüstlösung stelle eine kosteneffiziente Möglichkeit zur Integration in die Flotte dar: „Die Fahrzeuge und ihre Leistung werden überwacht und optimiert weil Sie frühzeitig erkennen, wann eine Wartung fällig ist“, so Freudenberg.

BPW stellt auf seiner Website einen Amortisationsrechner zur Verfügung, der die individuellen Einsparmöglichkeiten errechnen kann.

Künstliche Intelligenz (KI) integriert

Dabei verwendet die Software bestimmte Funktionalitäten der Künstlichen Intelligenz. So zum Beispiel im Brake-Performance-Monitor: dort werden die aktuellen Bremsungen überwacht und über entsprechende Auswertungen Trends und Qualitätsaussagen getroffen, wie Boch ausführt. Dabei arbeite man bei dem Cargofleet-Assistant mit ähnlichen Systemen wie von Copilot und ChatGPT bekannt. Allerdings würden nur die Daten der Flotte verwendet und diese nicht irgendwohin anders weitergegeben. Alle Daten verblieben im Cargofleet-System, wo sie mit AI (Artificial Intelligence) entsprechend ausgewertet würden. Eine Erweiterung dieser KI-Funktionen sei gerade in Planung.

Die Präsentation mit anschaulichen weiteren Informationen zur Lösung steht, sowie alle anderen Aufzeichnungen der Conference Days, auf der Website nach Anmeldung zu den Sessions zum Abruf bereit.

Nfz-Achs- und Fahrwerkhersteller BPW (Bergische Patentachsenfabrik Wiehl), heute offiziell genannt Bergische Achsen KG, feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Firmenjubiläum. Zum Nfz-Portfolio zählen Achsen, Komponenten wie Bremsen, Telematikanwendungen und weiteres Zubehör wie beispielsweise das Reifendruckkontrollsystem Airsave. Mittlerweile beschäftigt die BPW-Gruppe mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Wiehl rund 6.800 Mitarbeiter. Es besteht ein weltweites Servicenetz mit 3.200 Service-Partnern, dazu wurden Kooperationen zum Beispiel mit dem ADAC TruckService eingegangen. Zur BPW-Gruppe gehört auch der Münchner Systempartner und Softwarespezialist Idem Telematics, der sich auf Vernetzungslösungen und Management-Systeme für die Transportbranche spezialisiert hat.