Heidelberg steigt mit neuer Schnellladelösung in den Lkw-Markt ein
Die Amperfied GmbH steigt in den Markt für Schnellladelösungen ein. Das Tochterunternehmen der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) erweitert damit sein Produktportfolio um ein System, das speziell auf die Anforderungen gewerblicher Ladeinfrastruktur ausgelegt ist. Es soll einer Verlautbarung zufolge die effiziente und zuverlässige Versorgung auch großer Flotten im Mittelpunkt sellen – ein zentrales Thema für viele Speditionsunternehmen im Straßengüterverkehr.
Es werde ein Markt adressiert, der zunehmend unter Druck stehe, kommentiert Heidelberg. Betreiber von Ladeparks, Logistikdepots oder Speditionsflotten seien auf hochverfügbare Ladelösungen angewiesen, um Lieferketten stabil zu halten und Fahrzeuge möglichst ohne Verzögerung wieder auf die Straße zu bringen.
„Die Sicherstellung von hohem Durchsatz und Verfügbarkeit ist die zentrale Herausforderung für Betreiber von Ladeinfrastruktur in Ladeparks, Logistiker oder Retailer“, erklärt Jürgen Otto, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG.
Laut Unternehmensangaben basiert die Ladeeinheit auf einem modularen System, das sich flexibel konfigurieren lässt. Bis zu sechs sogenannte Dispenser mit je zwei Ladepunkten können über eine zentrale Leistungseinheit versorgt werden. Die Steuerung verteilt die Ladeleistung dynamisch, was insbesondere bei schwankender Auslastung für eine optimale Energienutzung sorgt. So lässt sich beispielsweise zwischen bis zu zwölf Ladepunkten mit je 300 Ampere beziehungsweise 240 Kilowatt oder acht Ladepunkten mit bis zu 500 Ampere beziehungsweise 480 Kilowatt wählen – je nach betrieblichen Anforderungen.
Ein zusätzlicher Vorteil für den Einsatz in Speditionshöfen: Die Dispenser benötigen wenig Platz. Die kompakte Bauweise ermöglicht eine Aufstellung auch in engen Ladezonen, ohne Stellflächen zu blockieren. Ein 15,6-Zoll-Touchdisplay erleichtert die Bedienung, der CCS2-Stecker stellt die Kompatibilität mit einer Vielzahl von Fahrzeugen sicher – vom Pkw bis zum Lkw.
Neben der Hardware stellt Heidelberg auch ein umfassendes Servicepaket in den Vordergrund. Dieses umfasst unter anderem Funktionen für vorausschauende Wartung und Monitoring. Als Softwaregrundlage dient Pionix Basecamp, eine auf dem Open-Source-Framework Everest basierende Lösung, die für hohe Interoperabilität und kontinuierliche Weiterentwicklung steht.
„Mit 175 Jahren Expertise im Hochleistungsmaschinenbau und dem zuverlässigen Betrieb von Investitionsgütern bringt Heidelberg seine gesamte industrielle Kompetenz ein“, so Otto weiter. Heidelberg will dabei nicht nur Technik liefern, sondern auch den zuverlässigen Betrieb der Infrastruktur sicherstellen. Dafür setzt das Unternehmen auf ein engmaschiges Service- und Logistiknetz, das bereits weltweit im Einsatz ist.
Ein zentrales Element des neuen Angebots ist das sogenannte verfügbarkeitsbasierte Betriebsstundenmodell. Statt einer klassischen Investition in Hardware zahlen Kunden nur dann, wenn tatsächlich Ladeleistung erbracht wird. Das senkt nicht nur die Einstiegshürde für Betreiber, sondern sorgt laut Robin Karpp, Geschäftsführer der Amperfied GmbH, auch für eine faire Risikoverteilung:
„Statt die reine Hardware zu kaufen, zahlen unsere Kunden nur, wenn sie tatsächlich Energie verkaufen können. So schaffen wir gleichgerichtete Interessen. Wir sind für eine funktionierende Ladeinfrastruktur verantwortlich. Die Betreiber müssen sich nur um die Auslastung des Ladeparks kümmern.“
Mit diesem Modell will Heidelberg mittelfristig eine führende Rolle unter den Systemanbietern für gewerbliche Ladeinfrastruktur in Europa einnehmen. Dabei steht nicht der Einzelverkauf im Fokus, sondern der dauerhafte Betrieb mit stabilen, wiederkehrenden Erlösen. Das neue Produkt ist ein weiterer Schritt in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens, neue industrielle Geschäftsfelder zu erschließen.
Der Markthintergrund für diese Offensive ist eindeutig: Laut aktuellen Studien wird die Zahl batterieelektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge weltweit stark steigen. Die Boston Consulting Group erwartet, dass modular aufgebaute Ladesysteme, wie sie Amperfied nun anbietet, künftig eine zentrale Rolle spielen werden. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht für das laufende Jahr in Deutschland von einem Zuwachs von 75 Prozent bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen aus – Tendenz steigend.
Für Spediteure und Logistikdienstleister bedeutet diese Entwicklung eine klare Richtung: Wer Ladeinfrastruktur aufbauen oder erweitern will, kommt an intelligenten, skalierbaren und serviceorientierten Lösungen kaum noch vorbei. Mit Amperfied Dynamic DC bringt Heidelberg nun ein System auf den Markt, das speziell auf die Anforderungen im gewerblichen Einsatz zugeschnitten ist – und damit auch auf die Bedürfnisse des Straßengüterverkehrs.