PKW

VM-Sitzprobe Citroen C5 Aircross: Das Sofa aus der Bretagne

Der C5 Aircross legte in allen Dimensionen zu – was man ihm innen auch anmerkt. Spannend ist vor allem das Pricing, das sich immer dezent unter dem Opel Grandland bewegen wird - und: Er ist komplett made in France!

Der C5 Aiurcross startet in der Basis in Deutschland ab günstigen 33.990 Euro. Wenig Geld für viel Auto made in France. | Foto: G. Soller

Selten hatten wir so lange Vorläufe zu einem Auto, bis wir endlich drinsitzen durften! Aber dann fielen im Palais de Tokyo in Paris die Hüllen und wir konnten Platz nehmen im größten Citroen.

Der wird im 1960 errichteten Werk Rennes in der Bretagne gebaut und dort bläst nicht nur der kalte Atlantikwind, sondern auch der Gegenwind einer eher schwierigen Autokonjunktur. Doch wie erklärt uns Werkleiter Etienne Martin Commandeur:

„Wir Bretonen rücken zusammen, wenn der Sturm stärker bläst“.

Und so wurde das Werk an vielen Stellen optimiert und braucht heute 60% weniger Energie als noch 2021!

Doch jetzt endlich Platz genommen! Wir erfreuen uns an einer vergleichsweise eingängigen Bedienung – hier hat man gegenüber Peugeot und dem Vorgänger nochmal nachgelegt, komfortablen Sitzen und ja, natürlich – genug Platz vorn und im Fond.

Wobei man hier einräumen muss, dass der C5 trotz 15 cm Längenwachstum und gut 6 cm mehr Radstand mit 4,65 m immer noch kein Riese ist. Im Fond kamen 5,1 cm Beinraum und üppige 6,8 cm Kopfraum hinzu – weshalb man die komfortable Rückbank für uns gern ein paar Millimeter höher hätte einbauen können, denn man sitzt im Fond luftig im besten Sinne.

Die Komfortschaumsitze sind so schaumig nicht – Gott sei Dank!

Die Komfortschaumsitze sind Gott sei Dank so schaumig nicht und bei den Materialien spürt man dann im Detail, wie spitz gerechnet wurde: Im direkten Vergleich mit Koreanern wirkt der C5 in allen Belangen etwas günstiger und lässiger zusammengesetzt, womit sich die Marke irgendwo auch treu blieb. Wer jetzt einen Edel-Citroen erwartet, könnte also dezent enttäuscht sein.

Dafür greift sich das nicht zu dicke Lenkrad gut, der Kofferraum ist riesig und wie gesagt, die Bedienung des großen „13-Zoll-Waterfall-.Screen“ gelingt sehr eingängig. Der Kofferraum bietet mit bis zu 650 Liter Volumen viel Platz und die Rücksitzanlage ist vielfach verstellbar. Die 40:20:40 geteilten Rücksitzlehnen kann man in der Neigung justieren (leider nicht auch noch längs verschieben) und im Unterboden gibt es ein großes Fach fürs Kabel, wobei uns ein Frunk lieber gewesen wäre.

Auch Citroen setzt am Lenkrad auf nicht mehr rein haptische Tasten – die ersten Eindrücke waren jedoch gut und auch die Ladeplanung scheint zu funktionieren: Von Paris nach Nürnberg errechnete er uns mit drei nicht zu langen Ladestopps eine Fahrzeit von sieben Stunden und fünfzehn Minuten.Etwas verwundert waren wir dann über die Becherhalter, die vorn UNTER dem „Waterfall-Screen“ noch Platz fanden – da kommt man nicht wirklich optimal an seine Getränke ran.

Irgendwo müssen die fairen Tarife herkommen

Und sonst? Tatsächlich gelang es den Designern, ein wohnliches Ambiente zu schaffen, dem man allerdings die Verwendung von lobenswerterweise reichlich recyclierten und kostenoptimierten Materialien olfaktorisch etwas anmerkt. Denn irgendwo müssen die 33.990 Euro Startpreis für ein Auto komplett made in France auch herkommen. Und nachdem auch die Elektroversion mit dem 73er-Akku und 210 PS für 520 km Reichweite nach WLTP unter 45.000 Euro bleiben wird, ist das schon eine Ansage. Die Bretonen standen zusammen und haben ein erschwingliches Familienfahrzeug geschaffen – das vor allem mit Platz und fairen Tarifen punktet. Wie es sich fährt, werden wir bei der Fahrvorstellung erfahren.

Was bedeutet das?

Der neue C5 Aircross ist ein wichtiges Auto für Citroen und margenstärker als alle anderen Produkte. Und im Gegensatz zum chinesischen C5X made in France. Und auch wenn man ihm seine Finanzierung teils anmerkt, gehört er definitiv zu den sympathischen Vertretern seiner Zunft, die gerade in Deutschland mehr Verbreitung verdient hätten. Man darf gespannt sein, ob das gelingt.