Schienengüterverkehr: RailFreightForward fordert bessere Rahmenbedingungen
Am 26. Februar 2025 trafen sich fünf Vorstände der Initiative RailFreightForward (RFF) mit EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas, um die Bedeutung des Schienengütertransports für die europäische Wirtschaft und die Herausforderungen der Branche zu erörtern. Dabei habe die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen und Investitionen in die Infrastruktur im Mittelpunkt gestanden, berichtet RFF.
Schiene als Schlüssel zur nachhaltigen Logistik
Der Initiative ging es in dem Gespräch darum, die zentrale Rolle des Schienengütertransports innerhalb der Transportlogistikkette zu betonen.
„Wir brauchen und wollen eine Renaissance der Schiene! Und wir müssen jetzt handeln, um dies zu erreichen. Denn wenn nicht gehandelt wird, droht es den Schienengüterverkehr nicht mehr zu geben“, lässt sich Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, im Nachgang zitieren.
Der Verband hebt hervor, dass der Schienengütertransport als energieeffizienteste und umweltfreundlichste Transportform gilt und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der europäischen Klimaziele leisten kann. Bernard Gustin, Vorsitzender von Lineas, unterstrich:
„Die Schiene ist das Rückgrat der Industrie und ein wichtiger Motor für den Clean Industrial Deal, indem sie das EU-Hinterland mit den wichtigsten EU-Häfen verbindet.“
Herausforderungen im internationalen Bahnverkehr
Trotz der Vorteile steht der Schienengütertransport vor erheblichen Herausforderungen. Dazu zählen der Mangel an hochwertigen grenzüberschreitenden Infrastrukturkapazitäten, ungleiche wirtschaftliche Wettbewerbsbedingungen und Investitionsrückstände bei digitalen Lösungen. Frédéric Delorme, Vorstandsvorsitzender von Rail Logistics Europe, forderte daher:
„Um im Vergleich zum Straßenverkehr und für private Investoren attraktiv zu sein, braucht der Schienengüterverkehr wirklich gute und zuverlässige Kapazitäten auf dem Schienennetz, speziell für den internationalen Verkehr.“
Auch Clemens Först, Vorstandsvorsitzender der Rail Cargo Group, kritisierte die ungleiche Wettbewerbssituation zwischen Straße und Schiene und begründete damit seine Forderung nach einer umfassenden staatlichen Unterstützung:
„Erstens sollten die Leitlinien für staatliche Beihilfen einen hundertprozentigen Ausgleich sowohl der Unterschiede bei den externen Kosten und den Kosten für die Infrastrukturnutzung als auch direkte Zuschüsse für Investitionen in neues rollendes Material ermöglichen. Zweitens benötigen die großen sektorspezifischen Projekte wie ERTMS und DAC eine EU-Kofinanzierung. Drittens muss die Interoperabilität zwischen Schiene und Straße in der Gewichts- und Maßrichtlinie berücksichtigt werden.“
Forderungen an die EU-Politik
RailFreightForward appellierte an die Europäische Kommission, die Rahmenbedingungen für den Schienengütertransport nachhaltig zu verbessern. Henrik Dahlin, Vorstandsvorsitzender von Green Cargo, betonte die Notwendigkeit einer verstärkten europäischen Koordination:
„Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, müssen wir ausreichende Kapazitäten sicherstellen und Hindernisse für den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr beseitigen. Die Triebfahrzeugführerrichtlinie, standardisierte Regeln und digitale Führerscheine sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einem effizienteren Eisenbahnsektor.“
Konkret fordert RailFreightForward:
- Klare und ausreichende EU-Mittel für Investitionen in das Europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem (ERTMS) und die digitale automatische Kupplung (DAC),
- ein Basisnetz für die militärische Mobilität mit mehr öffentlichen Mitteln und einer größeren Verfügbarkeit von geeignetem rollendem Material und Personal,
- ein Kapazitätsmanagement-Framework mit klaren Geschäftsbedingungen und Leistungsindikatoren,
- eine Harmonisierung der nationalen Zusatzanforderungen für den europäischen Führerschein.
Die Initiative RailFreightForward, ein Zusammenschluss europäischer Schienengüterunternehmen, setzt sich dafür ein, den Anteil der Schiene am europäischen Gütertransport zu erhöhen und damit einen Beitrag zur Reduzierung der negativen Umweltauswirkungen des Verkehrs zu leisten.