LKW

DB Cargo: Digitaler Güterzug geht in Kundeneinsatz

Die Güterbahn der Deutschen Bahn hat in Brüssel einen digitalen Güterzug mit Digitaler Automatischer Kupplung präsentiert. Dieser hat die Praxistests erfolgreich abgeschlossen.

Laut DB-Vorstand Dr. Sigrid Nikutta soll die Digitale Automatische Kupplung gemeinsam mit Kunden zur Serienreife geführt werden. Die neue Technologie soll mehr Güter auf die Schiene bringen und das System Güterverkehr beschleunigen. Foto: Deutsche Bahn AG/Steve Wiktor
Laut DB-Vorstand Dr. Sigrid Nikutta soll die Digitale Automatische Kupplung gemeinsam mit Kunden zur Serienreife geführt werden. Die neue Technologie soll mehr Güter auf die Schiene bringen und das System Güterverkehr beschleunigen. Foto: Deutsche Bahn AG/Steve Wiktor

 DB-Vorstand Dr. Sigrid Nikutta bei der Präsentation des Zuges vor der EU-Kommission am heutigen Dienstag in Brüssel:

„Ein digitaler Güterzug hat seine zweijährigen Praxistests erfolgreich abgeschlossen. Nun sollen erste Kunden im Schienengüterverkehr von der neuen Technik profitieren. Unsere gemeinsamen Erfahrungen werden dann in die Serienfertigung einfließen“.

Nur mit Digitalisierung und Automatisierung des Schienengüterverkehrs gelinge es, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, so Nikutta weiter:

„Das ist der entscheidende Hebel. Nur mit grünen Lieferketten schafft es Europa, seine Klimaziele zu erreichen.“

Turbo für Schienengüterverkehr
Rund ein halbe Millionen Güterwagen rollen derzeit auf Europas Schienen. Sie werden noch von Hand gekuppelt und können weder Strom- noch durchgehende Datenleitungen herstellen. Das soll sich nun ändern, denn die EU-weite Einführung einer Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) soll als neuer Systemstandard den klimafreundlichen Schienengüterverkehr leistungsfähiger und effizienter machen. Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl:

„Mehr als die Hälfte der Transporte der Stahlindustrie erfolgen über die Schiene. Sowohl für die Versorgung mit Rohstoffen als auch für den Versand der fertigen Stahlprodukte sind unsere Mitgliedsunternehmen auf eine effiziente Logistik angewiesen. Die Digitale Automatische Kupplung kann ein echter Turbo für den Schienengüterverkehr werden – und damit ein wichtiger Baustein für leistungsfähige, klimafreundliche Lieferketten.“

Die DB engagiert sich gemeinsam mit anderen europäischen Güterbahnen und weiteren Beteiligten aus der Eisenbahnindustrie in der Entwicklung und für die europaweite Einführung der DAK.

Die Präsentation eines digitalen Güterzugs ist ein zentraler Programmpunkt bei den „Connecting Europe Days“ der EU-Kommission in Brüssel. Politik, Bahnen und Wirtschaft beraten diese Woche über die Weiterentwicklung der europäischen Verkehrssysteme. Ein Schwerpunkt ist der Ausbau der zehn transeuropäischen Verkehrskorridore und die Stärkung klimaneutraler Lieferketten für den Kontinent. Dabei ist die Finanzierung der Digitalen Kupplung als neuer Systemstandard ein wesentlicher Schwerpunkt.

Bisher mechanische Schraubenkupplung

DB Cargo fährt pro Woche rund 20.000 Güterzüge durch 17 EU-Staaten, die bei 60 Prozent aller Fahrten mindestens eine Grenze überqueren. Güterwagen werden von Spanien bis Skandinavien mit dem fast 200 Jahre alten Prinzip einer mechanischen Schraubenkupplung gekoppelt. Allein bei DB Cargo müssen die Mitarbeitenden bis zu 50.000 Mal am Tag die 30 Kilogramm schweren Kupplungen von Hand an Eisenbügel der Wagons hängen. Dafür kann ein Güterzug bis zu 52 Lkw ersetzen und spart ihm gegenüber 80 bis 100 Prozent CO2-Emissionen ein.

Mit der DAK und durchgehenden Strom- und Datenleitungen sollen höhere Geschwindigkeiten möglich sein, unter anderem weil damit Bremsen – wie bei Personenzügen längst üblich – elektronisch angesteuert werden können. Güterzüge, deren Geschwindigkeit bislang auf 120 Stundenkilometer begrenzt ist, passen sich mit der DAK perspektivisch deutlich besser in Takt und Tempo des Personenverkehrs an, so die DB Cargo. Das führe zu mehr Kapazität im Netz.