Autonomer Linienbus: MAN startet Praxistests
MAN Truck & Bus plant, bis zum Jahr 2030 einen vollautomatisierten Stadtbus zur Serienreife zu bringen. Der Nutzfahrzeughersteller verfolgt dabei einen ganzheitlichen Entwicklungsansatz mit dem Ziel, automatisierte, emissionsfreie und vernetzte Buslösungen für den urbanen Raum bereitzustellen. Der angestrebte Fahrzeugtyp soll dem Automatisierungsgrad SAE-Level 4 entsprechen und somit in definierten Einsatzgebieten ohne Fahrer operieren können.
Redundante Sicherheitssysteme als Voraussetzung
Für den fahrerlosen Betrieb legt MAN besonderen Wert auf die sicherheitstechnische Ausgestaltung. Alle relevanten Systeme – einschließlich Bremsen, Lenkung, automatisiertes Fahrmodul (ADS) und Kommunikation – sollen redundant ausgeführt werden. Perspektivisch soll in geeigneten Betriebsbereichen auch auf einen Sicherheitsfahrer verzichtet werden können.
Forschungsvorhaben MINGA: Testbetrieb in München ab 2026
Seit 2023 ist MAN Partner im Projekt MINGA („Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“), das unter anderem von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und den Stadtwerken München (SWM) getragen wird. Im Rahmen des Vorhabens stellt MAN einen vollelektrischen Lion’s City E bereit, der mit einem automatisierten Fahrsystem ausgestattet wird. Der Beginn des automatisierten Testbetriebs im öffentlichen Nahverkehr ist für das Jahr 2026 vorgesehen – zunächst mit einem Sicherheitsfahrer an Bord. Schwerpunkte der Entwicklung sind die Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Fahrmodul sowie die Integration des Systems in die Elektronikplattform des Modelljahres 2024.
@CITY: Automatisiertes Heranfahren an Haltestellen
Als Grundlage für MINGA dient das frühere Projekt @CITY („Automated Cars and Intelligent Traffic in the City“), das über einen Zeitraum von vier Jahren lief und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert wurde. Im Fokus standen automatisierte Fahrfunktionen, insbesondere das präzise Heranfahren an Bushaltestellen. Gemeinsam mit 14 Projektpartnern demonstrierte MAN 2022 die Ergebnisse im Aldenhoven Testing Center.
BeIntelli: Testeinsatz in Berlin
Ein weiterer Entwicklungsschritt erfolgt im Projekt BeIntelli in Kooperation mit dem DAI-Labor der TU Berlin und der IAV GmbH. Im Zentrum von Berlin ist ein automatisierter MAN Elektrobuss im Testeinsatz, ausgestattet mit einem ADS des Zentrums für Erlebbare KI und Digitalisierung (ZEKI). Das Testfeld erstreckt sich vom Brandenburger Tor bis zum Adenauerplatz und verfügt über umfangreiche digitale Infrastruktur. Der sogenannte „Erklärbus“ ist mit rund 60 Sensoren sowie Kommunikationskomponenten versehen, um Fahrentscheidungen und -funktionen für Passagiere sichtbar zu machen. Der Fokus von MAN liegt hier auf der Aktuatorik und der Integration von ADS-Komponenten.
Markteinführung ab 2030 geplant
Die Ergebnisse aus den Projekten fließen in die Serienentwicklung ein. MAN plant, in einer späteren Phase Feldversuche mit Verkehrsunternehmen durchzuführen. Dabei sollen Technik und Systeme weiter angepasst und auf die Anforderungen von Kunden und Fahrgästen abgestimmt werden. Ziel ist die Markteinführung eines vollautomatisierten Stadtbusses ab 2030.