Slate Auto: Der radikal reduzierte 25.000-Euro-Elektriker
Neben der großen Messe in Shanghai hat sich in den USA hat sich ein neues Startup auf die Bühne geschoben: Slate Auto, unterstützt von keinem Geringeren als Amazon-Gründer Jeff Bezos. Ihr Plan: den Elektroauto-Markt aufmischen – mit günstigen E-Pickups, die ein bisschen nach Baukasten klingen. Der erste Wurf, schlicht "Slate" getauft, soll rund 25.000 Dollar kosten und sich je nach Bedarf zum fünfsitzigen SUV aufrüsten lassen. McGyver wäre begeistert.
Die Preise starten bei 27.500 Dollar – nach Abzug der Subventionen in den USA bei 20.000!
Während Edelmarken wie Lucid und Rivian lieber gleich hochpreisig loslegten, will Slate Auto mit Kampfpreisen glänzen: unter 20.000 Dollar nach Subventionen – zumindest in der nacktesten Basisversion. Diese Basis besteht aus einem eher spartanischen Zweisitzer, der mit einer der beiden angekündigten Batteriegrößen ausgestattet werden kann: 52,7 kWh (für rund 150 Meilen) oder 84,3 kWh (240 Meilen) nach dem strengen US-Standard. Angetrieben wird der Slate von einem 150-kW-Motor an der Hinterachse – und das war’s dann auch erstmal. Frontantrieb, Allrad oder andere Spielereien? Fehlanzeige.
Die Batteriezellen kommen übrigens nicht von irgendeinem Billigzulieferer, sondern von SK On aus den USA – immerhin mit ordentlicher Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, nicht die günstigen LFP-Zellen, die man hier vielleicht erwartet hätte.
Sweet Spot: Mit 4,44 Meter ist der Pick-Up Kompakt – als Kompakter eher groß
Der eigentliche Clou: Der Slate ist so modular wie ein Möbelset vom Schweden. Der Pickup ist 4,44 Meter lang, 1,80 Meter breit (ohne Spiegel) und 1,75 Meter hoch. Mit unzähligen Zubehörteilen kann man ihn individuell aufmotzen, vom Campingmodul bis hin zum SUV-Upgrade für maximal 5.000 Dollar. Lackierung? Gibt’s nicht. Der Slate kommt immer in Grauton aus der Verbundstoffpresse, wer mehr will, darf selbst zur Folie greifen.
Es gibt EINE Farbe – und viele Folien
Denn die eigentliche Individualisierung passiert nicht im Werk in Indianapolis, sondern später beim Händler oder Zuhause mit dem Schraubenschlüssel. Warum? Weil sich Slate damit 350 bis 500 Millionen Dollar pro Jahr an teuren Anlagen sparen will. Clever oder mutig? Mal sehen.
Innen: Autofahren pur – ohne Display und sogar ohne Speaker!
Und weil Sparen bei Slate nicht nur ein Nebenschauplatz ist, sondern Programm: Der Innenraum sieht aus wie ein Rückfall ins 20. Jahrhundert. Kleines Display, simples Lenkrad, drei Drehregler für die Klimaanlage (keine Automatik!), kein Infotainment, kein Touchscreen, kein Navi, keine Lautsprecher. Dafür: ein Halter für’s eigene Smartphone – und Apps soll es irgendwann auch geben. Elektrische Fensterheber? Nein, Handkurbeln! Retro-Fans jubeln, alle anderen runzeln die Stirn.
Ob der Slate als ernstzunehmender Pickup taugt, steht auf einem anderen Blatt: Die Ladefläche ist 152 cm lang, die Nutzlast liegt bei 635 Kilogramm, und er darf nur 453 Kilogramm an den Haken nehmen. Viel bleibt da nicht, wenn man ihn zum SUV umbaut. Schwerer Dachaufbau = weniger Zuladung – eine simple Rechnung. Wobei der Slate optisch auch als Pseudo-Offroader im Ford-Broncho-Style wie als Kompakter funktioniert.
Immerhin gibt's serienmäßig ein paar Sicherheitssysteme wie Traktionskontrolle, ESC, Notbremsassistent, Airbags, Rückfahrkamera und automatisches Fernlicht. Und beim Laden? Naja – 120 kW Spitzenleistung beim DC-Schnellladen klingt 2025 eher nach gemütlichem Kaffeekränzchen als nach Highspeed. Von 20 auf 80 Prozent dauert es rund 30 Minuten. Der Slate bekommt natürlich den neuen NACS-Ladeanschluss, den auch Tesla verwendet – immerhin ein Lichtblick. AC-Laden soll mit bis zu 11 kW klappen.
Mit 50 Dollar Anzahlung ist man oder frau dabei
Reservieren kann man schon jetzt, für schlappe 50 Dollar Anzahlung – die immerhin erstattbar ist. Die ersten Auslieferungen sind für das 4. Quartal 2026 angekündigt. Bis zu 150.000 Pickups pro Jahr will Slate dann in Indianapolis zusammenschrauben lassen.
Was bedeutet das?
Ein mutiges und erfrischend einfaches Konzept. Ob das klappt? Man wird sehen. In den USA sind schon einige EV-Startups mit ähnlichen Ambitionen gescheitert – Lordstown Motors und Canoo lassen grüßen. Und selbst Rivian und Lucid kommen trotz Milliardenhilfen kaum aus der Verlustzone. Aber Optimismus gehört bei Startups schließlich zum Pflichtprogramm.