BUS

bdo-Konjunkturumfrage 2024/2025 veröffentlicht

Die 20. bdo-Konjunkturumfrage beleuchtet die wirtschaftliche Lage und die Herausforderungen in den verschiedenen Bussegmenten – darunter Bustouristik, ÖPNV und Fernbuslinienverkehr – und bietet einen umfassenden Überblick über die zentralen Ergebnisse.

Der bdo hat seine 20. Konjunkturumfrage veröffentlicht. Sie können das 29 Seiten starke Dokument in unserem Anhang herunterladen. (Grafik: bdo)

Während sich das Segment Bustouristik/Gelegenheitsverkehr über ein stabiles Wachstum freuen konnte, bleibt die Stimmung im ÖPNV getrübt. Obwohl 91 % der befragten Unternehmen konstante oder steigende Fahrgastzahlen melden, belasten gestiegene Kosten, eine unzureichende Finanzierung und der anhaltende Fahrpersonalmangel die wirtschaftliche Situation erheblich. Infolgedessen sehen sich 19 % der Verkehrsunternehmen gezwungen, 2025 ihr Angebot einzuschränken. Im Segment Fernbuslinienverkehr zeigt sich ein gemischtes Bild mit einem weiterhin spürbaren Negativtrend.

Segment Touristik

Im Segment Touristik setzt sich der Positivtrend des letzten Jahres grundsätzlich fort. Fünf Jahre nach der Covid-19-Pandemie haben die Zahlen sogar das Vor-Corona-Niveau überholt. Die allgemeine Geschäftslage wird von drei Viertel der Befragten als gleichbleibend positiv bzw. sogar günstiger angegeben. Nach den zwei vergangenen Boomjahren konnte nochmals knapp die Hälfte der Unternehmen ihren Umsatz steigern.

„Die sehr gute Entwicklung im Bereich Bustourismus zeigt eindeutig auf, wie sinnvoll und wichtig die Coronahilfen in einer Extremsituation wie der Coronapandemie waren. Die gezielte Unterstützung der Bustouristik hat dem Busmittelstand durch die Krise geholfen und sichert damit heute vielen Menschen, die sich keine teure Flugreise leisten wollen oder können, das umweltfreundliche Reisen mit dem Bus”, betont bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard.

Dennoch zeichnet sich eine Abschwächung der Erwartungen ab. Bei allen Kennzahlen – Geschäftslage, Umsatz- und Gewinnentwicklung – ist ein leichter Anstieg negativer Rückmeldungen zu verzeichnen.

Segment ÖPNV

Im ÖPNV setzt sich der bestehende Negativtrend fort. Die Hälfte der Betriebe berichtet von einer unveränderten Lage und knapp ein Drittel von einer nochmals ungünstigeren Entwicklung. Auch für das Jahr 2025 gehen 40 % der Betriebe von einer schlechteren Geschäftslage aus. Als Grund geben die Unternehmen die unzureichende Finanzierung des ÖPNV an. Obwohl die Betriebe hohe Investitionen in die Antriebswende und den Ausbau ihres Angebots tätigen müssen, würden ca. zwei Drittel der Busunternehmen zusätzliche Mittel zunächst für die Erhaltung der Bestandsverkehre einsetzen. Darüber hinaus geben 19 % der Unternehmen an, dass sie in 2025 Teile ihres ÖPNV-Angebots einschränken müssen.

Segment Fernbusverkehr

Beim Fernbusverkehr zeigt sich ein durchwachsenes Bild. Für 2025 erwarten 13 % der Betriebe eine günstigere Entwicklung und 38 % eine ungünstigere Geschäftslage.

Der Fahrermangel

Segmentübergreifendes Kernproblem bleibt nach wie vor der gravierende Fahrpersonalmangel, was die Sonderabfrage nochmals eindeutig belegt hat. Ganze 81 % der Betriebe befürchten, dass die Anzahl der fehlenden Fachkräfte in den nächsten zwölf Monaten noch weiter zunehmen wird. Keine grundlose Befürchtung: Bereits heute ist mehr als die Hälfte des Fahrpersonals über 55 Jahre alt. Die Anzahl der Rentenabgänge und der neu zu besetzenden Stellen steigt daher massiv an. Die Folge: 83 % der Unternehmen geben an, dass sie die Rentenabgänge nicht mehr nachbesetzen können.

Hauptursachen für die unzureichende Nachwuchsgewinnung ist zum einen der in allen Branchen bestehende Fachkräftemangel. Zum anderen ist der Berufszugang für interessierte Busfahrer enorm bürokratisch. Grund sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die in Deutschland weit über das EU-Recht hinausgehen. Dies hat zur Folge, dass die deutsche Busfahrausbildung im europäischen Vergleich erheblich langwieriger und teuer ausfällt. Auch die Anwerbung von Fahrpersonal im Ausland scheitert nach Angaben der Busbetriebe an den bürokratischen Hürden. Derzeit geben lediglich 28 % der Unternehmen an, dass sie Fahrpersonal aus dem Ausland beschäftigen. Um dem Fahrpersonalmangel wirksam entgegenzuwirken, befürworten 89 % der Firmen eine Senkung der Ausbildungskosten. 67 % wünschen sich eine Reduktion der Ausbildungsdauer.

Christiane Leonard zur aktuellen bdo-Konjunkturumfrage: „Der größte Wunsch der Busunternehmen sind verlässliche, unbürokratische Rahmenbedingungen. Gerade in der Bustouristik werden die Mittelständler durch überbordende Bürokratie und steuerliche Ungleichbehandlung mit anderen Verkehrsträgern ausgebremst. Insgesamt braucht die Branche außerdem Unterstützung bei der Antriebswende, ein klares Bekenntnis zum D-Ticket sowie eine zukunftsorientierte Finanzierung des ÖPNV. Unerlässlich bleiben zudem Reformen bei der Busfahrausbildung. Die Folgen des Fahrpersonalmangels sind bereits heute deutlich spürbar. Der Gesetzgeber muss jetzt dringend entgegensteuern, die hohen Hürden beim Berufszugang abbauen und das EU-Recht 1:1 national umsetzen. Andernfalls verfällt die Verkehrswende zur Utopie.“

Zusammenfassung zur Geschäftslage in den einzelnen Bussegmenten

Bustouristik/Gelegenheitsverkehr

  • Stabiles Wachstum trotz bürokratischer Hürden und Fahrpersonalmangel
  • 2022 und 2023: Starker Boom mit 60 bzw. 57 % Wachstum
  • 2024: 36 % der Unternehmen berichten von einer günstigeren Geschäftslage, 43 % von einer gleichbleibenden
  • Umsatz: 48 % günstiger, 36 % gleich
  • Gewinn: 35 % günstiger, 27 % ungünstiger
  • Prognose für 2025: 18 % erwarten eine günstigere, 50 % eine gleichbleibende und 34 % eine ungünstigere Geschäftslage
  • Herausforderungen: Deutschlandticket, Verwaltungsvorschriften, bürokratischer Aufwand

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

  • Geschäftslage: 50 % gleichbleibend, 19 % günstiger, 31 % ungünstiger
  • Umsatz: 47 % gleichbleibend, 32 % günstiger, 21 % ungünstiger
  • Gewinn: 46 % ungünstiger, 19 % günstiger, 35 % unverändert
  • Fahrgastzahlen: 27 % günstiger, 64 % gleichbleibend, 9 % rückläufig
  • Prognose für 2025: 40 % ungünstiger, 49 % gleichbleibend, 11 % optimistisch
  • Herausforderungen: Gestiegene Kosten, unzureichende Kompensationen, Fahrpersonalmangel

Fernbuslinienverkehr

  • Geschäftslage: 25 % unverändert, restliche Unternehmen zu gleichen Teilen günstig oder ungünstig
  • Umsatz: 50 % günstiger, 13 % unverändert, 38 % ungünstiger
  • Gewinn: 38 % günstiger, 25 % gleichbleibend, 37 % ungünstiger
  • Fahrgastzahlen: 25 % günstiger, 38 % gleichbleibend, 37 % ungünstiger
  • Prognose für 2025: 50 % gleichbleibend, 38 % ungünstiger, 13 % günstiger

Sonderabfrage: Fahrpersonalmangel

  • Betroffenheit: 62 % der Busunternehmen
  • Verschärfung: Lage hat sich in den letzten zwölf Monaten verschärft
  • Prognose: 81 % erwarten eine Verschlechterung im nächsten Jahr
  • Auswirkungen: 65 % müssen Kundenanfragen ablehnen, 37 % können nicht an Ausschreibungen teilnehmen
  • Ursachen: Rentenabgänge, unzureichende Nachwuchsgewinnung
  • Lösungen: Senkung der Ausbildungskosten und -dauer, Rekrutierung aus dem Ausland (allerdings derzeit erschwert durch Sprachbarrieren und Bürokratie)

Die 20. bdo-Konjunkturumfrage finden Sie in unserem Anhang. Weitere Informationen hier.