Ladeinfrastruktur: So rüsten Unternehmen ihre Depots richtig auf
Die Elektrifizierung von Flotten endet nicht beim Fahrzeug. Auch die Ladeinfrastruktur spielt eine entscheidende Rolle, insbesondere am Depot. Eine frühzeitige Planung ist daher essenziell. In seinem Vortrag auf der Frühjahrstagung gestern in München verdeutlichte Sebastian Marquart, Spezialist für Logistikimmobilien, wie wichtig eine durchdachte Infrastruktur ist. Er sprach dort über die Planung und Auslegung von Neubauten sowie die Umrüstung von Bestandsimmobilien.
Reichlich Herausforderungen: Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und E-Mobilität
Die Frühjahrstagung wurde vom Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS) gemeinsam mit dem Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO), dem Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) und dem Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) organisiert. Mit ihrem Programm widmeten sich die vier Verbände einen Tag lang den Herausforderungen der Elektromobilität in Flotten und deren Auswirkungen auf Logistikimmobilien. Auch den Themen Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit in Unternehmen des Güter- und Personentransports widmeten sie sich.
„Mit der Vergabe sind 90 % der Einsparpotenziale ausgeschöpft“, erklärte Marquart in seinem Vortrag und empfahl Unternehmen, sich bereits im Vorfeld umfassend beraten zu lassen.
Die größten Investitionen und viele der wichtigsten Entscheidungen fallen bereits zu Beginn der Planung an. Mobilität müsse von Anfang an mitgedacht werden – insbesondere, wenn der Einsatz von Elektro-Lkw in der Flotte geplant ist.
Nur Ladepunkte, das reicht nicht
Eine zentrale Frage ist dabei, wie sich die bestehende Infrastruktur an die neuen Anforderungen anpassen lässt. Elektro-Lkw und -busse benötigen nicht nur ausreichend Ladepunkte, sondern auch eine stabile Stromversorgung.
Es reicht also nicht, einfach eine bestimmte Anzahl an Ladestationen einzuplanen. Vielmehr muss das Gesamtkonzept stimmen: von der Anschlussleistung des Netzbetreibers über die Lastverteilung bis hin zur intelligenten Steuerung der Ladevorgänge.
"Unternehmen müssten sicherstellen, dass ihre Standorte die zusätzlichen Strommengen tatsächlich verkraften", betont Marquart.
Eigenstrom sinnvoll einsetzen
Zudem sollten sie prüfen, ob sich Eigenstromerzeugung wirtschaftlich lohnt. Photovoltaikanlagen auf Hallendächern oder überdachten Parkplätzen können helfen, Betriebskosten zu senken und Netzengpässe zu vermeiden. Batteriespeicher sind eine sinnvolle Ergänzung, um Lastspitzen zu glätten und günstigeren Nachtstrom zu nutzen.
Entscheidend ist, die betriebliche Nutzung der Fahrzeuge mit den Ladezeiten abzustimmen. Wer den Fuhrpark nachts lädt, hat tagsüber weniger Probleme mit der Stromversorgung – allerdings setzt das eine präzise Einsatzplanung voraus.
Beim Neubau vorgeschrieben
Die Installation einer Photovoltaikanlage an einem Logistikstandort ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Das machte Maik Reimann, Risk Engineer bei Oskar Schunck, deutlich. Unternehmen müssen zahlreiche gesetzliche Vorgaben beachten, insbesondere im Bau- und Energierecht sowie bei den Netzanschlussbedingungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastrukturgesetz (GEIG), das vorschreibt, dass neue und umfangreich sanierte Nichtwohngebäude mit einer bestimmten Anzahl an Stellplätzen Ladeinfrastruktur vorhalten müssen.
In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage stellt sich die Frage, wie die gewonnene Energie direkt für das Laden der Elektro-Fahrzeuge genutzt werden kann. Gleichzeitig müssen Betriebe klären, ob und wie überschüssiger Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden darf. Die Einhaltung dieser Vorgaben erfordert eine enge Abstimmung mit dem Netzbetreiber sowie eine frühzeitige Anmeldung bei der Bundesnetzagentur.
"Angst frisst Seele auf"
Neben den rechtlichen Anforderungen spielt der Brandschutz eine wichtige Rolle – nicht nur in Verbindung mit Photovoltaikanlagen. Das betonte Björn Maiworm, Branddirektor bei der Branddirektion München. Er beschäftigt sich beruflich mit der Frage wie, warum und wann es bei Photovoltaik und der Lagerung von Lithium-Ionen-Batterien zu Bränden kommen kann. Die Herausforderungen seien, folgt man seinen Ausführungen, weniger groß als oft vermutet.
„Angst frisst Seele auf“, so das Credo des Feuerwehrmanns, der nicht müde wurde zu betonen, dass vor allem ein kühler Kopf heiße Dramen verhindern kann.
Beim Umgang mit brennenden Akkus – ob im Lkw, im Bus oder im Lager – sei daher eine fundierte Schulung das A und O.
„Wissen, was zu tun ist, hilft am besten.“
Brandwand auf keinen Fall überbauen!
Damit Photovoltaikanlagen die Sicherheit von Hallen nicht beeinträchtigen, schreibt das GEIG vor, dass bauliche Maßnahmen so umgesetzt werden müssen, dass sie den sicheren Betrieb der Ladepunkte nicht gefährden. Dazu gehören unter anderem Schutzmaßnahmen gegen Kurzschlüsse sowie die Möglichkeit der Abschaltung im Brandfall. Zudem sind Mindestabstände zu Brandwänden und Fluchtwegen einzuhalten, um eine schnelle Brandbekämpfung zu ermöglichen.
Versicherer verlangen oft zusätzliche Schutzmaßnahmen wie feuerbeständige Verkabelungen oder automatische Abschaltsysteme. Maiworm hält einiges davor für überzogen. Und er muss es wissen, weil er als Vertreter der Feuerwehr in etlichen Ausschüssen sitzt, die sich mit nichts anderem befassen. Er plädiert daher – ganz im Sinne von Bürokratieabbau – für eine Entschlackung der Vorschriften.
Dennoch sollten Unternehmen bereits in der Planungsphase eng mit Brandschutzexperten, Netzbetreibern und Versicherungen zusammenarbeiten, um spätere Probleme zu vermeiden.
Wer frühzeitig investiert, spart sich im Ernstfall nicht nur Ärger, sondern auch hohe Folgekosten, betont Reimann.